Jun 072016
 

mann_ueber_wort_midde_band_icon_300Eins ist mal klar – jedenfalls für mich (und ich darf das wohl so sagen, denn auch wenn es um eine sechsköpfige Band geht, ist das hier nach wie vor ein persönlicher Blog): man macht Musik, um auf der Bühne zu stehen. Um das Live-Erlebnis zu genießen, die Leute vor der Bühne bestmöglich zu unterhalten und daran selbst maximalen Spaß zu haben. Um die Musik an sich mit möglichst vielen Leuten zu feiern. Energieaustausch, gegenseitiges Hochschaukeln und so weiter.

Das gilt besonders dann, wenn man in einer Coverband spielt. Kreative Orgasmen durch Songwriting und epische Studiosessions, um die Früchte der eigenen Kunstfertigkeit zu verewigen, fallen für Coverbands ja nicht nur aus rechtlichen Gründen meist flach. Bleiben also „nur“ die Bühnenbretter. Wobei auf selbigen ja stets die Wahrheit liegt. Nix Autotune, nix „war daneben, aber wir basteln das zurecht“. Man ist der eigenen Tagesform, der Technik und zig anderen Faktoren praktisch ausgeliefert. Und man hat für alles nur einen Versuch. Hopp oder top. Ex oder Arschloch. Death or glory.

Das Geile daran: es wird nie langweilig. Mal ärgerst du dich über Begleitumstände (meist technischer oder organisatorischer Natur – und manchmal sowohl als auch), mal möchtest du vor Scham im Boden versinken, weil du ausgerechnet deinen Lieblingssong vor einer Menge von Leuten komplett versägt hast, obwohl du ihn schon drölfzig mal gespielt hast und du kein blutiger Anfänger bist. Und manchmal gibt es diese Gigs, von denen du tage- oder wochenlang positiv zehren kannst und die dir klarmachen, warum du dir das immer wieder antust und warum du trotz all der gequirlten Scheiße, die passieren kann, wenn du dich entscheidest, dich auf Bühnen herumzutreiben, einfach nicht damit aufhören willst. Weil du mal wieder die Essenz des Prinzips „Live-Musik“ zu schmecken bekommst. Die Essenz des Rock. Vergangenes Wochenende gab es wieder mal so ein Highlight. Und das alles Open Air.

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Wacköööön! Ach nee… WITTSTOOOOCK! :-)

Dabei (und ab hier schweife ich mal für ein paar Absätze ein wenig vom eigentlichen Thema ab) legten sich an bewusstem Wochenausklang eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes dunkle Wolken über die Welt der unter freiem Himmel gespielte Mucke. Das derzeitige Unwetterproblem hatte natürlich auch den gerade gestarteten Freiluft-Festivalsommer fest im Griff. Der negative Höhepunkt: die Blitzeinschläge bei Rock am Ring. Mehr als 70 Verletzte, zwei Menschen mussten sogar reanimiert werden. Das Festival soff insgesamt quasi im Regen ab und versank im Matsch, für den Sonntag wurde dem Veranstalter von behördlicher Seite die Spielgenehmigung entzogen.

Und der übliche Automatismus des World Wide Web setzte ein: „man“ stellte prinzipiell in Frage, ob es von den Göttern gewollt und mit freiheitlich-demokratischen Grundprinzipien vereinbar ist, dass Menschen sich versammeln, um „draußen“ gespielter Musik zu lauschen. Es fand sich wieder irgendein Politker (dessen Name mir gerade mit voller Absicht entfallen ist), der nach einem „Frühwarnsystem“ verlangte – wie das immer reflexartig der Fall ist, wenn „was passiert“. Diesmal sollte es eines für Starkregen und Blitzeinschläge sein. Soso. Gibt’s das nicht schon unter dem beliebten Hashtag #Wettervorhersage? Und war es nicht so, dass dieses „Frühwarnsystem“ nicht zu 100% verlässlich sein KANN, weil Mutter Natur in Sachen Wetter eben oft launisch ist – und das exakte Vorhersagen von Blitzeinschlägen schlicht unmöglich ist, und es da bestenfalls eine Risikoeinschätzung geben kann, die auch von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten abhängt?

Ich will weder irgendetwas verharmlosen, noch will ich mich hier hämisch über die Verletzten von Rock am Ring äußern – absolut nicht! Schließlich befanden sich nicht wenige meiner persönlichen Freunde und Bekannten auf dem Festival. Zum Glück kamen sie alle genervt, aber unverletzt nach Hause. Und Verletzte, ob durch Naturgewalten oder anderweitig, sind speziell bei Veranstaltungen, die dem puren Vergnügen gewidmet sind, immer tragisch. Fakt ist, dass die Veranstalter der großen Open Airs zwar die Gegebenheiten hinsichtlich möglicher Gewitter mit Blitzeinwirkung sicher verbessern könnten und auch sollten. Aktuell ca. fünf Kilometer Fußweg von der Center Stage bis zum blitzsicheren Auto bei Rock am Ring z.B. sind definitiv zuviel.

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Rock am Ring 2016: desaströs, aber Grund für generelle Open-Air-Konzertverbote? Jetzt ist aber mal gut!

Aber nicht zuletzt aufgrund der begrenzten Berechenbarkeit von Wetter wird es nie einen hundertprozentigen Schutz vor solch höherer Gewalt geben. Traurig, aber wahr. Und jetzt, wie teilweise tatsächlich geschehen, nach Verboten von Open Air-Veranstaltungen zu schreien – DAS ist der blanke Hohn. Typisch deutscher Michel. Sorry.

Ich könnte z.B. sagen: „3.475 Verkehrstote im Jahr 2015 müssen in totalem Verbot von Kraftfahrzeugen enden!“ Oder?

Wie bitte, deutscher Michel? Das ist aber jetzt sowas von übertrieben, sagst du? Ist aber genau deine Denkweise. „Schwer lösbare Problematik? Na dann: Verbot! Entmündigung! Nein, die Leute sind generell zu doof, um eigenverantwortlich entscheiden zu können, ob sie bei Unwetterwarnung trotzdem zu einem Open Air-Konzert gehen! Und überhaupt, diese ganzen Asis da!“

Weißte was, Michel… leck‘ mich. Kreuzweise.

Den Verletzten von Rock am Ring dagegen wünsche ich an dieser Stelle nur das Beste und vor allem schnelle Genesung. Mit den möglichen Langzeitfolgen von Blitzschlägen ist nicht zu spaßen. Get well soon!

Jetzt aber weg von Rock am Ring, denn da werden wir mit Green Ink Machine voraussichtlich im weiteren Verlauf unserer beispiellosen Karriere nicht auftauchen – zumindest nicht auf der Bühne. 😉

Nein, unser Reiseziel am Wochenende war ein anderes. Wie das Schicksal es wollte, waren auch wir am vergangenen Samstag, für den für das Bergische Land die Wetter-Apokalypse mit Starkregen und Gewittern vorhergesagt wurde, für einen Open Air-Auftritt gebucht. Auf einem Festival, das eigentlich niemand kennt und das es demzufolge offiziell eigentlich gar nicht gibt.

Hä? Wie? Was?

Erklärung: vor etwas mehr als einem Jahr begegneten wir Fabian Wittner, Freddy Meissner und Bianca Sevenig von Rock’U, bzw., die drei stolperten mehr oder weniger auf dem Solinger Dürpelfest über uns, bei dem wir auf der Bühne am Bremsheyplatz zocken dürften. Da wir trotz Regen-Gig (wir haben da also Erfahrung!) beim Dürpel nicht ganz so schlecht und wir uns gegenseitig auch nicht gänzlich unsympathisch waren 😉 , wurden wir irgendwann in die Existenz eines speziellen Events eingeweiht, das eigentlich Fabians Geburtstagsparty darstellt.

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Als wir den Grundstein für die Teilnahme am Wittstock legten: Green Ink Machine am 31.05.2015 beim Solinger Dürpelfest. Seinerzeit noch ohne Tim – der schaute aber immerhin schon zu. ;-)

Da Fabian, auch bekannt als Fabs, aber aus dem Topfschlagen- und Blinde Kuh-Alter doch deutlich herausgewachsen ist, ist aus dem Geburtstag ein Event mit ca. 300 zahlenden Gästen geworden, die für ihren Obulus nicht nur mit mehr als ausreichend Flüssigem, sondern auch und besonders mit Live-Gigs mehrerer Bands auf einer schicken Bühne versorgt werden, die auf einer ausladenden privaten Grünfläche steht. Für die Hungerbekämpfung ist natürlich ebenfalls gesorgt. Also ist alles da, was man braucht, um ein richtiges, kleines Open Air-Festival hinzulegen, das inzwischen schon seit mehreren Jahren stattfindet. Herr Fabian „Fabs“ Wittner taufte das ganze sinnigerweise auf den Namen „Wittstock“. Aus Diskretionsgründen werde ich die Location, in der das Ganze stattfindet, natürlich nicht verraten. Die Veranstaltung ist nach wie vor privat. Kult sollte am Ende des Tages auch Kult bleiben. Ihr müsst halt jemanden finden, der euch einweiht. So wie uns.

Dieses Jahr durften wir als eine von sieben Bands erstmals mit am Start sein. Wir waren noch etwas angepisst, weil wir zwei Wochen zuvor erneut beim Solinger Dürpelfest gebucht waren und kurzfristig absagen mussten. Bock auf Rock hatten wir also auf jeden Fall.

Die Unwetterwarnungen für das gesamte Wochenende und speziell den Tag X – Gewitter, Starkregen, allgemeine Apokalypse – dämpften ein wenig die Vorfreude. Auch wenn Fabs uns damit zu beruhigen versuchte, dass es bisher „beim Wittstock immer trocken“ war.

Aber, ganz ehrlich: mir ging das allgemeine Austauschen der Daten verschiedenster Wetter-Apps und Dienste (die sich scheinbar alle gegenseitig im Ausmalen des Katastrophenszenarios überbieten wollten) und all das Panik schieben irgendwann so sehr auf den Senkel, dass ich mir dachte: „Scheiß drauf! Wenn Unwetter, dann Pech. Wenn nicht, dann Rock!“ Ganz simpel.

Die vorbereitenden Maßnahmen der vereinten Wittstocker – Opfer-Biertrinken, um die Gunst Odins zu erringen, auf dass es beim Wittstock trocken bleiben möge – waren von Erfolg gekrönt. Odin statt Jesus? War in dem Fall eine gute Wahl.

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So sah es aus, als wir eintrudelten. Relaxed, aber feuchtfröhlich, gute Band auf der Bühne – so soll’s sein!

Es blieb zwar tatsächlich den ganzen Tag über trocken, entgegen allen Wetter-App-Orakeleien und Unwetter-Vorhersagen, aber der Rasen war von der vorhergehenden Regennacht noch ordentlich genässt, so dass der Matsch, den man von „echten“ Open Airs kennt, auch beim Wittstock nicht fehlte.

Das war aber nicht das, was mir persönlich als erstes auffiel, als wir am Ort des Geschehens eintrafen. Erstens: es war sehr gut besucht (laut Fabs war das Wittstock 2016 das bisher bestbesuchte). Zweitens: es herrschte eine verdammt angenehme Atmosphäre. Verflucht viele nette, offensichtlich rock-affine Leute. Good Rock’n’Roll Vibes. Drittens, und das war für uns als Band ja nicht ganz unwichtig: was von der schicken Bühne kam, klang gut.

Und dann war da noch was: der Duft. Bzw. der Duftmix. Düfte können ja bekanntermaßen so einiges in Menschen auslösen. Und bei mir war das beim ersten Herumstolpern auf dem Wittstock mal wieder der Fall.

Ich meine, ich weiß, dass es nicht jedermanns Sache ist, den typischen Festivalduft einzuatmen. Diese Mischung aus Bier, Schweiß, Zigarettenrauch, Bratwurst vom Grill und sich langsam in seine Bestandteile auflösendem, feuchtem Rasen (und anderen duftigen Komponenten, die nicht so klar definierbar sind und die den Festivalduft vom ordinären Grill-/Campingplatzduft unterscheiden). Bei mir löst diese Mischung dieses ganz bestimmte Gefühl aus, das man all jenen, die weder als Zuschauer noch als Musiker an solchen Veranstaltungen teilnehmen, einfach nicht erklären kann. Oder denen man zumindest nicht erklären kann, was daran so geil ist. Fest steht: wenn ich diesen Duft in der Nase habe, weiß ich – ich bin zu Hause. Ich bin da, wo gerockt wird. Auch nach dreißig Jahren passiver wie aktiver Teilnahme am Live-Rock-Zirkus ist dieses Gefühl immer noch da.

Und ich liebe es, Leute. Ich liebe es wie bekloppt.

Auch geil, wie routinierte Organisation dank jahrelanger Erfahrung das ganze Event sehr geschmeidig ablaufen ließ. Endcool fand ich den Backstageraum in der Gartenlaube, in der wir unsere Klamotten/Instrumente vorübergehend parken (und nach dem Gig erst mal auf Stühle sinken) konnten.

Vor unserem Gig hatten wir leider nicht viel Zeit, um uns umzusehen. Gerade genug Muße, um Fabian, Freddy und Bianca zu begrüßen, ein schnelles Bier, ’ne schnelle Wurst, dann zur Bühne und nur eine Viertelstunde, um vor dem Startschuss um- bzw. aufzubauen.

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War schon vom Startschuss an in Topform: the one and only Fabs!

Ich bleibe übrigens dabei: der Tag, an dem mir vor einem Auftritt nicht mehr die Düse geht, wird der Tag sein, an dem ich mit der Musik aufhöre. Glücklicherweise ging mir die Düse. Wie gesagt, der heilige, wenn auch schon etwas angeschlagene Rasen war verdammt gut gefüllt. Und außer den dynamischen Drei kannte uns im Grunde keiner der anwesenden Wittstocker. Ein Gefühl wie beim Debütantinnenball. Klar, mir war bewusst, dass wir mit dem, was wir da machen, auf so ein Event passen müssten wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer. Aber ohne ein bisschen Unsicherheit ist es irgendwie auch nicht richtig echt. 😉

Es gibt so eine bestimmte Art von Gig, die grundsätzlich geil ist: die Art, wo du dich bei den ersten Songs noch fragst, ob das wirklich hinhaut. Ob es ankommt. Und ob was zurückkommt. Und irgendwann bei Song Nr. 4 oder 5 klickt es. Und zwar mächtig. Und dann steppt der Bär. Und genau so war es beim Wittstock.

Einstieg wie desöfteren in letzter Zeit mit „Bulls On Parade“, dann „American Idiot“, dann „The Pretender“… lief gut. Und Matthes und ich konnten uns auf der Bühne tatsächlich hören, was keine Selbstverständlichkeit ist. Aber irgendwas fehlte noch. Es war gar nicht die Tatsache, dass in der Anfangsphase des Gigs irgendein Teil der Bühnentechnik zwischendurch öfter mal sehr laut und vernehmlich losbrummte und dröhnte. Es war was anderes, das noch bremste, zumindest habe ich das so empfunden. Als wären wir noch nicht richtig auf Betriebstemperatur, und die Leute vor der Bühne dementsprechend noch ein wenig skeptisch. Wie gesagt, fast niemand der Anwesenden hatte uns vor dem Gig schon mal live gesehen. Man muss sich halt jeden einzelnen erarbeiten, sozusagen.

Dann „Move“… da packten nicht nur mich bei den ersten Takten leichte Zweifel, ob die Nummer für diesen Abend die richtige Wahl war. Aber während des Songs wurde es langsam. Betriebstemperatur.

Dann „We’re not gonna take it“. Verdammte Axt, wenn du DIE Nummer versägst – also: wenn du die Leute nicht zum Mitsingen kriegst – kannst du eigentlich einpacken. Aber: Wittstock kann singen! Und wollte auch. \m/

Als nächste Nummer dann „Last Resort“ – und das war dann der endgültige Knackpunkt. Und ich glaube, das war beiderseits der Fall. Die sprichwörtliche Lampe fiel um – jetzt kam so richtig Bewegung in die Menge auf und rund um die immer größer werdende Matschgrube direkt vor der Bühne. Und holy fuck, der Rasen bekam noch richtig was auf die Zwölf!

Es ist schwer zu beschreiben, was einem da durch Kopf, Herz und Bauch schießt, wenn man sieht, wie die Leute vor der Bühne richtig steilgehen. Und dabei ist es komplett wumpe, ob man nun eigenes Songmaterial spielt oder covert (da ich beides gemacht habe bzw. noch mache, denke ich, kann ich es beurteilen, und Matthes, Anselm, Jan, Tim und Basti ebenso). Wenn du nicht gerade berufsmäßig jeden Abend vor einer verdammt partywilligen Menge rockst, stehst du da, staunst, freust dir den Allerwertesten ab und vergisst hier und da ein paar Basics. Aber du bist glücklich. Und wir waren, den Wittstockern sei Dank, an jenem Abend ganz eindeutig glücklich. :-)

Nächste Nummer war „Take a Look Around“. Hammer! Was ich an dieser Nummer u.a. gefühlsmäßig so liebe: du kannst die Leute am Anfang locker einklatschen lassen, dann wird’s ziemlich tanzbar, und dann die Anspannung, die Vorfreude ab dem ersten „I know why you wanna hate me“, bis dann im Chorus der Topf vom Deckel fliegt und gepogt und gehüpft wird, bis der Arzt kommt.

Matthes hat spontan das immer wieder herrliche „Sit down and jump up“-Spielchen im Mittelteil eingebaut. Hat prima funktioniert, trotz Matsch. So fett, wenn beim „jump up“ in einem Moment dann sowohl vor als auch auf der Bühne so viel Energie freiwird. Geil. Einfach nur geil. Sex auf Toast ohne Penetration, sozusagen.

Matsch spritzte, Körper zuckten und flogen, und der arme Rasen muss das Ende seines Daseins sturzbesoffen erlebt haben, weil er mit gegenseitigen Bierduschen – Richtung Bühne und von der Bühne in die Menge – nochmal kräftig zwangsgetränkt wurde. Bier, Schweiß, Hartwurstmucke. Und eine fett abgehende Menge. Sah für Uneingeweihte teilweise sicher wüst aus und hat sicher den einen oder anderen blauen Fleck verursacht. Aber: es wurde nie gewalttätig oder aggressiv. Es war einfach das, was ein Konzert sein sollte. Ein gegenseitiges Hochschaukeln. Energie, die freigesetzt wird.

Oder, wie die Bay Area-Thrasher Exodus es in „Toxic Waltz“ einst so treffend formulierten: „Good friendly violent fun.“

Da hast du die Pipi in den Augen.

Und es ging munter so weiter bis zum Abschluss mit „Killing In The Name“. Direkt vor der Bühne war es inzwischen komplett matschig und schlammig. Die Wittstocker haben es sich nicht nehmen lassen, den Matsch wahlweise zu umgehen, zu ignorieren oder zu nutzen und uns weiter zu unterstützen. Das war großer Sport!!! Dafür, für solche Abende, für so ein Publikum, für dieses unbeschreibliche Live-Gefühl, macht man Musik, verdammte Hacke! 😉

Natürlich lief nicht alles ganz glatt. Verhacker hier, da nicht ganz richtig rein in den Song, dort nicht ganz richtig raus. LIVE-Musik halt.

Bei „Smooth Criminal“ z.b. blieb mir im Chorus komplett die doch so wichtige Kopfstimme weg, und Matthes musste den „Rehfräng“ alleine singen. Es kam einfach kein hoher Kiekser aus meiner Kehle, als es nötig war. Also musste ich es komplett bleibenlassen. Sah sicher doof aus, fühlte sich noch doofer an. Das sind dann so die Dinge, die mich auch an einem ansonsten perfekten Abend noch ganz kurz ein minimales Bisschen ärgern. Ganz abschalten kann ich das vermutlich nie.

Und Matthes hatte nach eigener Aussage den ganzen Tag über, also auch während des Gigs, mit Magen-/Darm-Faxen der übleren Sorte zu kämpfen und war deshalb in Sachen Bühnenaction ziemlich eingeschränkt. Und sah am Ende zwar zufrieden, aber auch irgendwie bleich aus. „Ausgerechnet bei so ’nem Premium-Gig so ’ne Scheiße!“, so mein Sangesbruder sinngemäß. Er hat’s durchgezogen. Respekt, Großer!

Gestört haben die Ecken und Kanten, glaube ich, niemanden. Die Stimmung war großartig. Vielleicht sind wir manchmal auch einfach noch etwas unkonzentriert, wenn’s vor der Bühne so abgeht. Unter’m Strich: alles scheißegal. Es war ein Gig, der einem auf der Bühne das Rockerherz ganz gewaltig höher schlagen lässt. Musikalisch nicht perfekt, aber vom Feeling her: einfach… nur… geil!!!

Was mich außerdem hat strahlen lassen, war, dass wir nach dem Gig noch ein wenig mitfeiern und die Wittstock-Atmosphäre aufsaugen konnten. Ich ärgere mich im Nachhinein tierisch darüber, dass wir nicht früher vor Ort waren, was leider logistisch/terminlich an dem Tag nicht drin war. Nächstes Jahr sind wir definitiv früher am Start! Also, ich auf jeden Fall. 😉 (Und Jan… du bringst demnächst bitte Bandzigaretten mit! Ich liebe diese Abende mit euch, aber ich kann sie mir bald nicht mehr leisten! 😉 )

Aber auch so kam der Wittstock-Vibe rüber. Klasse natürlich auch, streng durch die Bandbrille betrachtet, das zahlreich bekundete persönliche Feedback zum Gig. Darauf stehe ich – direktes, ehrliches Feedback, Auge in Auge. Wir sind alle froh und glücklich, dass es den Wittstockern offensichtlich so gut gefallen hat! :-)

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So ruhig war es nicht immer, aber dafür immer friedlich. Ja, da gibt’s ’nen Unterschied. ;-)

Doof irgendwie auch, dass wir außer Sixty Pounds Of Dynamite (direkt vor uns – fand ich bärenstark!) und Mike and the Waiters (direkt nach uns – große Bandbreite, Chapeau dafür – und „Angus Old“ rules! 😉 ) keine weiteren Bands sehen und hören konnten – aber das können wir dank vieler, vieler privater Videos schon jetzt zumindest teilweise nachholen.

Ach ja… und die Wetter-Apokalypse? Kam nicht. Danke, Odin. 😉 Erst ca. 10 Minuten vor Schluss des Gigs von Mike and the Waiters, also ganz am Ende des Festivals, fing es an zu regnen. Von „Starkregen“ konnte aber keine Rede sein, und die Kollegen konnten ihren Gig locker-flockig abschließen.

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Geile Atmo bei Mike and the Waiters.

Als ich schließlich gemeinsam mit Basti unsere restlichen Klamotten aus der Backstage-Laube holte und wir uns mitsamt dem Publikum vom leidgeprüften Acker (Rasen) machten, und die Leutchen sich langsam auf den Weg nach Hause oder zur Aftershow-Party in der RED Rockbar begaben, stellten wir erfreut fest, dass es überall nur zufriedene, ja glückliche Gesichter gab. Und nix war’s mit nachträglicher, alkoholinduzierter Randale. Kein Gepöbel, kein Zerlegen von Bistrotischen. Einfach nur eine große, beseelte Rock-Familie, die einen geilen Tag hinter sich hatte. So heftig es auch teilweise nicht nur während unseres eigenen Auftritts rundging (und das ist ja auch irgendwo Sinn und Zweck der Übung, oder? 😉 ) – wieder mal hat sich gezeigt, dass „die Rock-Leute“ deutlich besser sind als ihr oftmals immer noch nicht ganz optimaler Ruf beim deutschen Michel. Das finde ich immer wieder geil, das finde ich immer wieder bezeichnend.

Und auch das gehört zu der Essenz des Erlebnisses Live-Musik, die ich hier ja schon angesprochen habe. Dieses „hart, aber herzlich“, mit Betonung auf Letzterem, das ich so liebe. Und das ich so nirgendwo, in keiner anderen „Szene“, in dieser Form vorgefunden hätte. Ich bin froh, immer noch in diesem Zirkus aus Bier, Schweiß und Starkstrommucke zu sein. Ach was, froh… glücklich. Und Abende wie dieser sind es, die mir das immer wieder klar und deutlich machen.

Danke, Wittstock! Danke, Wittstock-Publikum – ihr seid der Oberhammer! Danke, Fabian, dass wir dabei sein durften! Danke an Bianca, Freddy und das gesamte Team! Dieses blendend organisierte, private und deshalb semi-geheime Open Air-Geburtstags-Wahnsinns-Party-Konzert-Event fängt die Essenz des Live-Rock’n’Roll (da isse wieder) absolut ein. Ein kleiner, aber dafür umso feinerer Gegenpol zu den Megamassen-Veranstaltungen auf der ganz großen Wiese. Wittstock ist gelebte, mit Herzblut umgesetzte Rock-Kultur. Von allen Beteiligten: Gastgeber/Veranstalter, Helfern, Bands und natürlich Gästen/Publikum. Das ist so selten geworden, dass ein solches Juwel gar nicht genug gewürdigt werden kann.

„Das ist live! Ihr wisst, das ist live! Ihr werdet nicht beschissen!“ – Farin Urlaub

Weiter so! Auf ein mindestens ebenso geiles Wittstock 2017!

Meine Fresse, wie ich diesen Scheiß liebe. Wie gottverdammt unsterblich ich diesen Scheiß liebe. :-)

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Sep 132015
 

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Kommen wir zur Heldenverehrung, Teil Zwo, und zur Gesangsfraktion. Da sind bei der Vorstellung persönlicher Helden meinerseits bei einigen Herren etwas längere Elogen angebracht.

Bei dem einen, weil er nicht unmaßgeblich „Schuld“ daran trägt, dass ich vor Urzeiten begonnen habe, Metal zu lieben.

Bei dem anderen, weil er nicht unmaßgeblich dafür sorgt, dass es bei dieser Liebe bleibt.

Und beim dritten, weil er ein Naturereignis ist.

Aber der Reihe nach:

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Bruce Dickinson in den frühen 80ern. Der Mann, der mir das nachhaltigste musikalische Erweckungserlebnis meines Daseins bescherte.

Anfangen muss ich einfach mit Bruce Dickinson (Iron Maiden).

Dickinson war einer der Gründe, warum ich irgendwann in Erwägung zog, auch ein Mikro in die Hand zu nehmen und zu versuchen zu singen. Und auch einer der Gründe, warum der Metal mich irgendwann gepackt und nicht mehr losgelassen hat.

Anno 1983, das legendäre Metal-Festival in der Westfallenhalle Dortmund, präsentiert in der Reihe „Rockpop“ – im öffentlich-rechtlichen TV! Im ZDF! Mein Bruder warf eines Nachmitttags die Video 2000(!)-Cassette mit der Aufzeichnung des natürlich stark gekürzt ausgestrahlten Konzerts in den Recorder und drückte Play. Ich ahnte noch nicht, dass ich eine Art musikalisches Erweckungserlebnis vor mir hatte. Das gemeinsame Anschauen des Videos mit meinem damals stark dem Metal und auch dem Punk zugewandten Bruder war strenggenommen mein erster halbwegs bewusster Kontakt mit Metal. Ich hatte es zwar aus dem Zimmer meines Bruders immer wieder dröhnen hören und fand es nicht schlecht, aber noch hatte es mich nicht gepackt. Und auch das Konzert-Video hatte zunächst keine besondere Wirkung auf mich. Irgendwie kickten mich Def Leppard und Quiet Riot gar nicht (und haben es auch in der Folgezeit nie geschafft). Auch in Sachen Judas Priest klickte es bei mir erst später.

Aber dann kamen Iron Maiden. Da stand dieser Kerl auf der Bühne, mit langen, später äußerst schweißnassen Haaren, in verdammt engen Hosen und mit einer spannend aussehenden Gürtelschnalle, und der Typ sang so laut und trotzdem so klar und noch dazu ziemlich hoch, dann rannte er kreuz und quer über die Bühne, tobte, sprang, blickte manisch ins Publikum, heizte es an, dann rannte er wieder und sang dazu.

Der erste Song war vorbei, ich blieb gebannt sitzen.

Bei der nächsten Nummer machte der Sänger etwas, von dem ich noch nicht wusste, dass es „Headbanging“ heißt, stand breitbeinig auf einem Podest seitlich vom Drumkit, sang, gestikulierte, schwang eine britische Flagge, heizte das Publikum an.

„Sing it for me, Dortmund!“ schrie er. Und Dortmund sang für ihn. Der Typ in den engen Hosen hatte das Publikum komplett im Griff. Es regte sich zum ersten Mal der noch sehr zarte Ansatz eines „Ich will das auch!“ in meinem Hinterkopf.

„And as I lay there gazing at the sky / My body’s numb and my throat is dry / And as I lay forgotten and alone / without a tear I draw my parting groan.“

Ich verstand noch nicht so wahnsinnig viel von dem, was dieser hyperaktive Kerl da sang. Ich bekam nicht mit, dass ich in diesem Moment „The Trooper“ hörte und der Song schon ziemlich bald zu einem meiner persönlichen Evergreens werden sollte. Aber: ich war erstmals vom Metal fasziniert. So etwas kannte ich bis dahin noch nicht. Das war so weit weg von dem Zeugs, dass ich Dienstags abends bei „Formel Eins“ vorgesetzt bekam (die Älteren werden sich noch erinnern).

Und ich fand es geil. Die Musik an sich hat sich mir erst später wirklich erschlossen, anno 1983 – ich war 11 – waren es zunächst vor allem Bruce Dickinsons Gesang und seine Bühnenpräsenz, die mir nicht mehr aus dem Schädel gingen. Und meine Bewunderung für Mr. Dickinson ist bis heute ungebrochen.

 

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Je oller, je doller? Bruce Dickinson ist auch mit deutlich über 50 noch der Derwisch, der mich vor urlanger Zeit so begeistert hat.

Denn auch heute, mit 57 Lenzen, rennt und springt Dickinson noch über die Bühnen dieser Welt wie ein junges Fohlen, und zu allem Überfluss singt er dabei auch noch nach wie vor erstklassig.

Der Mann ist übrigens nicht „nur“ Sänger. Der leidenschaftliche Fechter und zwischenzeitliche Buchautor hat ein abgeschlossenes Geschichtsstudium vorzuweisen (was sich immer wieder auch in seinen Texten niederschlägt) und ist ausgebildeter Pilot. Dickinson besitzt seit den frühen 90er Jahren die Fluglizenz, und – was vielen gar nicht bekannt ist – war seitdem sogar hauptberuflich Pilot, und zwar bei der britischen Charterfluglinie Astraeus, bis diese 2011 Konkurs anmelden musste. Dieser Job war auch der Grund für Dickinsons Wechsel zur Kurzhaarfrisur. Für Aufnahmen und Tourneen mit Iron Maiden und seine Solo-Aktivitäten nahm er sich jeweils Urlaub. Unglaublich, aber wahr.

Heute bildet Dickinson selbst Piloten aus und ist Besitzer einer Firma, die verschiedenste Flugzeuge wartet (Cardiff Aviation).

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Von Captain Bruce Dickinson würde ich mich jederzeit um den Globus jetten lassen.

Bekannter ist da schon die Tatsache, dass Dickinson sich und seine Band bei ihren Tourneen seit einiger Zeit eigenhändig um den Globus fliegt. Auf der 2016 anstehenden Iron Maiden-Weltreise zum aktuellen Album „The Book Of Souls“ wird Dickinson eine Boeing 747-400 steuern, also einen ausgewachsenen Jumbo. Wenn das mal nicht so was von Metal ist! 😉

Dickinson ist übrigens gerade erst von einer Zungenkrebs-Erkrankung genesen, die den Release von „The Book Of Souls“ und den Tourneestart natürlich stark verzögerte. Aber Bruce Dickinson ist einfach nicht unterzukriegen.

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Einfach ein Hammertyp. Ein Hammersänger. Und in vielerlei Hinsicht auch ein Vorbild. Ich könnte Romane über Bruce Dickinson schreiben, vielleicht mache ich das sogar irgendwann mal. Ich schließe meine Lobeshymne hier und jetzt allerdings mit einem Song aus einem seiner Solo-Alben ab.

 

 

(AP Photo/Keystone, Sandro Campardo, File)

Ein kleiner Mann, eine gigantische Stimme – und eine Frittengabel, die um die Welt ging: Ronnie James Dio.

Ein Hoch auf Ronnie James Dio (Black Sabbath, Rainbow, DIO; verstorben 2010).

Der kleine, große Mann des Rockgesangs. Nicht groß an Statur, aber dafür umso größer in Sachen Stimme. Und der Mann, dem wir, wenn wir seinen Ausführungen Glauben schenken, die Verbreitung unseres heißgeliebten und berühmten Erkennungszeichens verdanken, die „Frittengabel“. Pardon, die „Hörner“. 😉

Wenn es jemanden gab, der dieses immer wieder geäußerte, völlig dummdreiste Vorurteil, dass Stimmgewalt von Körpermasse oder -größe abhängt, ad absurdum geführt hat, dann der kleine, äußerst drahtige Ronnie James Dio. Allein dafür gehört er für mich – aus relativ offensichtlichen Gründen, wenn man sich mal meine Körpermaße und meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung anschaut 😉 – auf ein Podest.

Man sagte ihm nach, dass er „mit einer Erkältung auf die Bühne gehen und dann ein ganzes Stadion in Grund und Boden singen“ konnte – einfach aufgrund sowohl seines natürlichen Talentes als auch seiner großartigen Technik.

Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich Ronnie James Dio erst relativ spät wirklich zu schätzen gelernt habe, gemessen an seiner Klasse und seiner Bedeutung für den Metal. Vielleicht habe ich zu sehr auf das Drumherum geachtet, dass er bei DIO kultivierte. Ich sah Videos von einem Kerl, der mit Plastikschwertern auf Gummidrachen eindrosch, und fand es einfach too much. Andererseits habe ich anderen Bands und Musikern aus dem Metal deren nicht unähnliche Albernheiten einfach durchgehen lassen. Ganz ehrlich, ich habe keine Erklärung, warum Ronnie James Dio mich nicht gleich schlicht und einfach durch seinen Gesang überzeugte. Ich konnte zu meiner Metal-Lehrlingszeit wirklich ein übler Vollpfosten sein.

Er packte mich letztenendes doch, und zwar auf die Art und Weise, die ich für die natürlichste und ehrlichste halte – nämlich live. Metallica waren 1990 auf der „Ehrenrunde“ ihrer „…and Justice for all“-Weltreise für zwei Gigs nach Deutschland zurückgekehrt, einen davon, in der Messehalle Hannover, habe ich gesehen. Als Support für Hetfield und Co. waren dabei: DIO. Allerdings ohne allzu große Show. Keine Gummidrachen, keine Schwerter. Dafür eine mehr als kompetente Band, und natürlich der große, kleine Mann selbst, die fleißig gezeigte Frittengabel und diese Stimme, die mich bei dem Konzert zum ersten Mal wirklich packte. Endlich wusste ich, was an einem Song wie z.B. „Holy Diver“ eigentlich dran war. Es war vor allem diese Stimme, und die scheinbare Mühelosigkeit, mit der Ronnie James Dio jede einzelne Note in den hinterletzten Winkel der riesigen Halle schmetterte. Ich hatte ein ernsthaft schlechtes Gewissen, weil ich so lange so taub gegenüber Dio war. Aber: in der Folgezeit habe ich mich wesentlich intensiver mit Ronnie James Dios Schaffen auseinandergesetzt. Und ich habe es alles andere als bereut.

Heute sehe ich Ronnie James Dio, wie übrigens fast jeder Metal-Musiker (und nicht nur die Sänger), den man danach fragt bestätigen wird, als das, was er war: einen der besten Rocksänger aller Zeiten und als eine DER Stimmen des Metal.

Und wie war das nun mit der Frittengabel? DEM Zeichen des Metal und inzwischen allgemein der härteren Rockmusik?

Ronnie James Dio hat stets steif und fest behauptet, als Erster im Metal dieses Handzeichen benutzt zu haben. Ich zitiere hier mal den Wikipedia-Eintrag dazu:

Ronnie James Dio hingegen war der Meinung, das Zeichen zu seiner Zeit als Sänger bei Black Sabbath als Erster benutzt und damit in die Metal-Szene eingebracht zu haben. Dio soll das Zeichen von seiner abergläubischen Großmutter gekannt haben, die es im Aberglauben […] angewendet haben soll, da es sie vor dem bösen Blick geschützt habe. In dem Dokumentarfilm Metal – A Headbanger’s Journey verwendet er dafür das Wort Maloik. Er benutzte das Zeichen anfänglich nach Bedeutung bei Textpassagen, wo es um den Teufel oder das Böse ging. Nachdem das Publikum ihm dieses Zeichen immer nachahmte und es sich auch bei anderen Konzerten des Bereiches Heavy Metal etabliert hatte, wurde es zu seinem Markenzeichen. Nach allgemeiner Auffassung innerhalb der Szene gilt er deswegen auch als der Mensch, der sie in die Szene eingebracht hat.“

Den kompletten Wikipedia Artikel dazu findet ihr hier.

Der große, kleine Mann mit der Frittengabel wird mich leider nicht mehr mit neuem Material rocken können.

Ronnie James Dio erlag am 16. Mai 2010 einem Krebsleiden.

 

 

Kommen wir zu Rob Halford (Judas Priest).

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Rob Halford zu frühen Judas Priest-Glanzzeiten.

Eine Ikone, eine Galionsfigur des Metal. Mit seiner umfangreichen 4 ½-Okatven-Stimme und besonders den extrem hohen „Rob Halford Screams“, Schreien mit sehr hohen Frequenzen, hat der Sänger von Judas Priest den Gesang im klassischen Heavy Metal nachhaltig geprägt.

Ich selbst versuche gerne, einen „Halford Scream“ zu imitieren, wenn ich unterstreichen will, dass ich von klassischem Metal spreche. 😉 Logischerweise kann ich den Maestro aber bestenfalls nur schlecht parodieren, die Höhen des Originals bleiben für mich unerreichbar.

Rob Halford ist einer der Pioniere des „opernhaften“ Gesangsstils, der im Metal so häufig vorzufinden ist und auch heute noch von jungen Bands gerne aufgegriffen wird, speziell im Power Metal-Bereich.

Obwohl ich selbst stimmlich in anderen Regionen beheimatet bin, war Halford einer der Sänger, die auch mich nicht unbeeinflusst ließen, allein aufgrund seiner Reichweite, zumal sich Halfords tiefere Stimmlagen stets weiterentwickelten, kräftiger und druckvoller wurden, und einen starken Gegenpol zu den charakteristischen Screams bildeten.

Rob Halford ist aber nicht nur aufgrund seines Gesangs und seiner Erfolge vor allem mit Judas Priest eine Galionsfigur im schwermetallischen Bereich. Er hatte noch auf einem ganz anderen Gebiet Neuland für den Metal zu erschließen, aber darauf komme ich in einem in Kürze erscheinenden, anderen Blogpost zu sprechen.

 

 

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Corey Taylor „in zivil“.

Und nun zu Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour).

Ein Mann, viele Gesichter. Und damit beziehe ich mich nicht nur auf die von Album zu Album wechselnden Masken, die Corey Taylor in seiner Funktion als Slipknot-Frontmann trägt.

Wer mein Fratzenbuch-Profil verfolgt, wird wissen, dass Corey Taylor ein persönlicher Held für mich ist. Ich bin Riesenfan von Slipknot und stehe auch sehr auf Stone Sour, was vielen meiner Mit-Metaller sauer aufstößt, da sie Taylors „andere Band“ für zu gewöhnlich bzw. für zu wenig außergewöhnlich oder schlicht „zu kommerziell“ halten.

Mich stört all das nicht im Geringsten, da ich Corey Taylor eben nicht nur als den maskierten Wutbolzen von Slipknot sehe, der mit „der anderen Band“ unverschämterweise andere, „gewöhnlichere“ und „kommerziellere“ Musik macht. Taylors Vielseitigkeit, nicht nur in Sachen Musik, finde ich großartig – und maße mir an, nachvollziehen zu können, warum er diese weder verbergen kann noch will. Und wer kann schon von sich behaupten, in gleich zwei schwer erfolgreichen und dabei musikalisch deutlich unterschiedlichen Metal-Bands zu singen?

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Corey Talor in aktueller Slipknot-Maske.

Zunächst mal ist anzumerken, dass Taylor über einen ziemlich gewaltigen Stimmumfang von 5 ½ Oktaven verfügt. Diese Bandbreite wäre ziemlich verschwendet, wenn Taylor ausschließlich auf infernalisches Gebrüll setzen würde – was er strenggenommen auch bei Slipknot eigentlich nie getan hat. Taylor bot immer schon eine Mischung aus Growls, Shouts, Screams, Raps und eben auch melodischem Gesang dar. Dass der Anteil an „echtem“, melodischem Gesang zugenommen hat – was von vielen Die-Hard-Slipknot-Fans als ein Anzeichen von Verwässerung/Verweichlichung und ein auf Taylors Geheiß geschehenes Verwischen der musikalischen Grenzen zwischen dessen beiden Bands gesehen wird – ist eine meiner Meinung nach nur allzu natürliche Entwicklung eines Künstlers, dem stimmlich kaum Grenzen gesetzt sind. Und was Taylor gesanglich auch macht, ob er nun als extremer Zornesklumpen oder melodisch-gefühlvoller „echter“ Sänger unterwegs ist – er macht es einfach gottverdammt gut.

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Taylor live als Sänger von Stone Sour.

Was gerne ignoriert wird, ist die Tatsache, dass Stone Sour schon deutlich vor Taylors Einstieg bei Slipknot, vor deren erstem „richtigen“ Album, existierten. Taylor vorzuwerfen, er hätte Stone Sour aus rein finanziellen Überlegungen gegründet, um seinen mit Slipknot etablierten Namen zu vergolden, ist also ziemlich einfach zu widerlegen. Natürlich profitiert Stone Sour von Taylors Popularität, die er bei Slipknot errang. Geschenkt gab es da trotzdem nichts, der Erfolg mit Slipknot war hart erkämpft. Vor allem, wenn man bedenkt, dass – das lässt sich in mehreren Interviews mit Slipknot-Mitgliedern nachlesen bzw. -hören – sich bei Slipknot die Erfolge bis zum dritten Album finanziell praktisch nicht bemerkbar machten. Gitarrist Jim Root z.B. berichtete mehr als einmal, dass er nach dem zweiten Slipknot-Album „Iowa“ zwar in einer der aktuell größten Metal-Bands des Planeten spielte, aber trotzdem nicht wusste, wie er die Raten für sein Auto oder seine Hypothek abzahlen sollte. Es blieb für die Band nichts hängen, rein finanziell gesehen.

Hätte ich an Corey Taylors Stelle da möglicherweise auch nach einem zweiten Standbein gesucht bzw. mich daran erinnert, dass ich ja eigentlich längst eines habe? Mit Sicherheit.

Wie auch immer, Taylor hat es geschafft, Slipknot und Stone Sour parallel existieren zu lassen und mit seinen unterschiedlich gewichteten Performances in beiden Bands zu überzeugen.

Düster, aber trotzdem irgendwie immer sympathisch: Taylor in seiner 1999er-Slipknot-Maske.

Was ich an Taylor immer schon faszinierend fand ist die Tatsache, dass er auch bei Slipknot, bei all der Düsternis und dem extremen Image und auch unter der jeweiligen Maske, auf der Bühne stets das Gefühl vermitteln konnte, eine Art abgedrehter Kumpel zu sein. Einer „von uns“. Einer, der bei all dem, was Slipknot an Düsternis, musikalischer Härte und Aggression vermittelten, bei aller nötigen Rockstar-Attitüde während der Performance eines Songs, speziell zwischen den Songs immer sympathisch wirkte. In seinen Ansagen, im Umgang mit dem Publikum. „We’re no different from you! We’re just like you!“ Und man kaufte es ihm ab. Selbst unter der Maske konnte er stets Glaubwürdigkeit vermitteln. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Taylor scheint mir trotz seiner Erfolge sehr gut geerdet zu sein. Ich mag und schätze das.

Das Bedürfnis, vorhandene stimmliche Bandbreite auch anwenden und zeigen zu wollen, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich hätte auch etwas dagegen, mich zum reinen Brülläffchen degradieren zu lassen bzw. mich selbst so stark zu limitieren– natürlich ohne mich mit einem Spitzensänger wie Taylor auch nur ansatzweise messen zu können oder zu wollen, nur damit da keine Missverständnisse aufkommen! Aber ich kann die Bedürfnisse eines flexiblen Sängers wie Taylor zu 100 % verstehen und nachvollziehen.

Hier ein „2 und 2“-Videovergleich: zweimal Taylor mit Slipknot, zweimal mit Stone Sour. Wer einen ganz krassen Gegensatz braucht, vergleiche Slipknots „Left Behind“ mit Stone Sours „Bother“. Ein Sänger, verschiedene Welten. Ich kann nichts dafür, ich liebe das.

Was schätze ich ausser dem Gesang an Taylor?

Vielleicht fühle ich mich jemandem wie ihm, der praktisch gleichaltrig und mit der gleichen Musik wie meine Wenigkeit aufgewachsen ist und der in vielen Dingen des Lebens eine sehr ähnliche Einstellung an den Tag legt wie ich selbst, besonders verbunden. Einige Punkte in seiner Lebensgeschichte – vorübergehende Obdachlosigkeit, Suchtprobleme, Suizidversuche – tauchen so nicht in meiner Vita auf, lassen mich aber den Menschen Taylor und sein heutiges Aufgehen in einer Vielzahl an Aktivitäten, die für viele Aussenstehende sicher oft etwas hyperaktiv oder auch selbstverliebt wirken, und seine Leidenschaft, die er für alles, was er anpackt, an den Tag legt, nur allzu gut verstehen.

Taylor ist außerdem ein verdammt smarter Mensch. Ein kluger Kopf, der sagt, was er denkt. Und der es aufschreibt, wenn ihm danach ist.

Ich habe sein erstes Buch „Seven Deadly Sins: Settling The Argument Between Born Bad And Damaged Good“ gelesen, in dem Taylor die biblischen sieben Todsünden entmystifiziert und sie, anhand konkreter Beispiele aus seinem eigenen Leben, als reine menschliche Schwächen, vor denen kein Mensch gefeit ist, darstellt – und das auf äusserst unterhaltsame Weise. Taylor schafft es, dabei nicht platt über Bibel und Kirche herzuziehen, wie man es befürchten könnte. Wenn ihr ein Exemplar – möglichst im englischen Original – in die Hand bekommt, werft mal einen Blick rein.

Sein zweites Buch „A Funny Thing Happened On The Way To Heaven“ beschreibt seine Lebenserfahrungen mit Phänomenen, die man als „paranormal“ bezeichnen muss. Was man davon halten soll, bleibt jedem selbst überlassen, lesenswert ist das Buch auf jeden Fall.

Irdischer geht es in seinem aktuellen Buch zu: in „You’re Making Me Hate You“ rechnet Taylor auf höchst amüsante und herrlich bissige Weise mit der heutigen (Pop-)Kultur ab.

Taylors Solo-Auftritte, wie die aktuelle Tour zum neuen Buch, sind eine extrem unterhaltsame Mischung aus Lesung, freier Spoken-Word-Performance und Konzert. Ich poste hier mal einen dieser Auftritte in kompletter Form, zumindest mal reinzuschauen lohnt sich auf jeden Fall, wie ich finde. Wer noch einen Beweise braucht, dass Taylor zu allem Überfluss auch noch eine Menge Humor hat:

Wie ich viel weiter oben bereits schrieb, sind es Ausnahmekünstler wie Corey Taylor, die dafür sorgen, dass ich weiterhin eine Menge Gründe habe, auch und gerade den Metal von heute zu lieben.

Stone Sour perform at the House of Blues in Boston, MA on April

 

 

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Nicht von dieser Welt: Mike Patton.

Aus dem „Dunstkreis“, also nicht aus dem Metal, kommt ein von mir extremst bewunderter Mann, der ein gesangliches Naturereignis darstellt: der wirklich einzigartige und unfassbare Mike Patton u.a. (u.a. Faith No More).

Sechs Oktaven Stimmumfang – damit ist Mike Patton vor Corey Taylor der Mann mit der größten stimmlichen Reichweite in der Populärmusik. Stilistisch ist Patton eigentlich gar nicht greifbar, da es praktisch nichts gibt, was dieser Mann nicht singen kann.

Ob bei Faith No More, Mr. Bungle, Tomahawk, Fantômas oder einem anderen seiner zahlreichen Projekte – Patton ist ein regelrechtes Chamäleon des Gesangs, wie es wohl kein zweites gibt. Was Bühnenpräsenz, Ausstrahlung, Souveränität und all die anderen Dinge angeht, die einen Frontmann der Extraklasse ausmachen, egal ob in Rockkluft oder im Maßanzug, Patton hat stets die Aura des Unangreifbaren.

Und Asche auf mein Haupt – ich habe es fertiggebracht, Mike Patton zunächst zu verkennen. Er war allerdings auch ein wenig selbst schuld. Warum wurde auch Faith No Mores „Epic“ so ein Riesenhit? Warum musste es mich in Rockdiscos zwischen Slayer und Anthrax ständig stören, als es herauskam? Da rappte einer, was zum damaligen Zeitpunkt der Entwicklung meines Musikgeschmacks schon mal prinzipiell gar nicht ging, und dann auch noch diese nasale, quäkige Stimme! Durchgefallen. So war das damals, als ich noch ein abseits des Metal sehr intoleranter Musikhörer war.

Was war ich bloß für ein verbohrter Idiot.

Denn dann kam recht bald meine eigene Gesangs-“Karriere“, und ich musste mich gleich zu Anfang einer seinerzeit schier unmöglichen Aufgabe stellen: „Digging The Grave“ von, man fasst es kaum, Faith No More zu covern. Und ich wurde praktisch sanft dazu gezwungen, mich näher mit Faith No More auseinanderzusetzen. Und ich merkte sehr schnell, was für ein ignoranter Vollpfosten ich war. Speziell, was Mike Patton angeht.

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Der Maestro kann es auch elegant.

Mike Patton ist kaum in Worte zu fassen, und ein paar Videos mit Klangbeispielen reichen nicht im Geringsten, um seiner stimmlichen und stilistischen Bandbreite auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Ein Sänger aus einer anderen Galaxis und in jeder Lage ein Irrsinns-Performer.

Ob er nun wie von der Tarantel gestochen über die Bühne springt und aus tiefster Seele schreit und kreischt, um im nächsten Moment wieder wie der weltgrößte Crooner loszuschmeicheln, um dann einen hymnenhaften Refrain zu schmettern und dann wieder Dinge aus seiner Stimme herauszuholen, die mit „abgedreht“ nur unzureichend umschrieben sind – Mike Patton ist ein anderer, ganz eigener Planet.

Ich könnte noch mehr Superlative auspacken, aber es ist schon spät und ich würde das Phänomen Mike Patton sowieso nicht mal ansatzweise erfassen. Nehmt die Videos unten als Grundlage, und googled und recherchiert euch bei Interesse am besten selbst schlau, was diesen Mann angeht. Er ist fast zu groß für eine schriftliche Heldenverehrung.

 

 

Damit wäre ich mit meinen herzallerliebsten Sängern und Gitarristen durch. Was die Bassisten und Drummer angeht, will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da ich weder Bass noch Schlagzeug spiele. Ich maße mir zwar an, hören zu können, ob ein Bassist oder Drummer sein Handwerk beherrscht, möchte aber hier nur jeweils drei Namen in die Runde werfen, die mir persönlich nachhaltig in Erinnerung geblieben sind bzw. die es bleiben werden. Ich beschränke mich dabei auch deutlich auf den Metal.

Im Schnelldurchlauf zunächst die Bassisten:

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So kennen wir ihn, so lieben wir ihn, und wir wollen ihn auch gar nicht anders haben: Steve Harris (Iron Maiden).

Steve Harris (Iron Maiden)

Ein wahrer Metal-Monolith.

Steve Harris wird gerade von Nicht-Metallern oft für eine gewisse musikalische Sturheit belächelt, bzw. dafür, dass er als musikalischer Leiter von Iron Maiden seit Jahrzehnten, um es mal so auszudrücken, ausgesprochen stilsicher unterwegs ist. Anders gesagt: dass Harris ein gewisses Scheuklappendenken nicht abzusprechen ist.

Lassen wir das einfach mal im Raum stehen – auffällig ist, dass Bassisten – vor allen Dingen solche,  die von sich sehr und von Maiden insgesamt weniger überzeugt sind – oft und gerne zusammenzucken, wenn man ihnen vorschlägt, doch mal eine Maiden-Nummer zu covern. Ist doch eine ganz simple Sache, Scheuklappen-Harris und so weiter. Oder?

„Muss ich üben…“, heisst es dann plötzlich. :-)

Warum, lässt sich ganz gut nachvollziehen, wenn man sich mal Harris‘ pure Master-Bass-Tracks ohne andere Instrumente zu Gemüte führt – siehe unten.

 

 

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Tragischer Verlust für die Bass-Welt: Cliff Burton.

Cliff Burton (Metallica, verstorben 1986)

„Zu früh verstorben“ ist eine Klischeephrase, die ich eigentlich nicht gerne verwende, die aber immer wieder zuverlässig beschreibt, wenn jemand von uns gegangen ist, der der Welt noch einiges zu geben gehabt hätte.

Cliff Burton, ursprünglicher Bassist von Metallica, starb am 27. September 1986 auf tragische Weise: der Tourbus von Metallica geriet auf dem Weg nach Kopenhagen außer Kontrolle und kippte auf die Seite. Burton wurde dabei aus einem der Seitenfenster geschleudert und unter dem umstürzenden Bus begraben. Burton wurde gerade einmal 24 Jahre alt.

Burton galt als das wohl musikalischste Mitglied von Metallica, der Einflüsse aus der Klassik in sein Spiel einfließen ließ und der als einer der ersten Rockbassisten mit Verzerrern und Wahwah-Effekten arbeitete.

Dass Cliff Burton ein verdammt talentierter Vertreter seiner Zunft war, dürfte wohl unstrittig sein. Dass er der Musikwelt noch einiges hätte geben können, mit ziemlicher Sicherheit auch Innovatives, ebenfalls. RIP, Cliff.

 

 

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Steve DiGiorgio

Mal wieder jemand, der aus der ganz harten Metal-Ecke stammt und u.a. bei Sadus, Death, Autopsy, Control Denied, Obituary, aber auch bei z.B. Iced Earth und Testament aktiv war bzw. ist.

Steve DiGiorgios spieltechnische Fähigkeiten sind auch weit über die Grenzen des Metal hinaus bekannt. DiGiorgio selbst gründete übrigens mit Dark Hall zwischenzeitlich eine Jazz/Fusion-Band, ist also jemand, der sich gerne auch abseits der harten bis ganz harten Schiene austobt.

Seine Dreifinger-Technik ist besonders bemerkenswert. Im Regelfall setzen mit den Fingern spielende Bassisten nur Zeige- und Mittelfinger ein. DiGiorgio nimmt den Ringfinger hinzu, was ihm z.B. extrem schnelle Läufe ermöglicht.

DiGiorgio setzt zudem gerne Fretless-Bässe ein, was im härteren Musikbereich eher ungewöhnlich ist, und tritt, wenn er Death Metal und Artverwandtes spielt, gerne mit einem minimalistischen 3-String-Bass an (s. Foto), dem er trotzdem mit höchster Spielkunst Außergewöhnliches zu entlocken versteht.

Interessanter Typ, fantastischer Musiker!

 

 

Zum Abschluss drei meiner liebsten Drummer:

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KEIN Drecksack: Mike Portnoy.

Mike Portnoy (ex-Dream Theater)

Der erste Satz, den ich jemals von Mike Portnoy in in einem Interview gehört habe, war seine Antwort auf die Frage, wie lange er denn für das Einspielen des Dream Theater-Albums „Images And Words“ gebraucht habe.

„I did the entire album in… I think, two days. It was really quick.“

„Drecksack“, dachte ich. „Du bist fantastisch, aber musst du es so raushängen lassen?“

Da war ich wohl etwas vorschnell und einfach nur neidisch auf echtes, überbordendes handwerkliches Talent, denn in der Folgezeit kam Mike Portnoy für mich stets als sympathisch und keinesfalls selbstverliebt oder überheblich rüber.

Ich habe Dream Theater und damit Mike Portnoy x-fach live gesehen, jedes einzelne Mal war ich hin und weg, und auch wenn ich durch meinen etwas straighter gewordenen Geschmack heute manchmal das Gefühl habe, dass Mike Portnoy ab und zu sogar fast etwas zuviel von seinem Können zeigt – ich stehe auf sein Drumming. Und ich mag ihn als Typ, auch wenn er inzwischen nicht mehr bei Dream Theater trommelt. Das nur, bevor mir Horden von Drummern für mein Banausentum („Wie, zuviel?!? Geht’s noch?!?“) aufs Dach steigen. 😉

 

 

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Sympathieträger mit verdammt schnellem Fuß: Nicko McBrain.

Nicko McBrain (Iron Maiden)

Der stets fröhliche Brite erstaunt seit Jahrzehnten z.b. durch  seine schnelle Ein-Fuß-Technik. Wo andere Drummer schon zur Double Bassdrum greifen bzw. diese treten müssen, kommt Nicko McBrain mit dem Einsatz lediglich eines Fußes aus. Diese Spezialität, und natürlich das, was er mit den Händen zu veranstalten in der Lage ist, wird nicht nur von seinen Bandkollegen, sondern allgemein von anderen Drummern bewundert.

„Er hat sein Kit so aufgebaut, dass er die halbe Zeit lang nicht mal sieht, auf was er da einschlägt“, bemerkte Iron Maiden-Bassist Steve Harris einmal halb stolz, halb verwundert.

Der Iron Maiden-Song „Where Eagles Dare“ vom „Piece Of Mind“-Album verdeutlicht sehr schön, was Nicko McBrains Spiel unter anderem ausmacht. McBrain lehnte den Einsatz von Doublebass bei diesem Song als „undrummerish“ ab. Das sagt schon einiges aus.

 

 

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Mit und ohne Slipknot-Maske: Joey Jordison.

Joey Jordison (ex-Slipknot, Scar The Martyr)

Die Umstände seiner, ähem, „Trennung“ von Slipknot sind nach wie vor nebulös, und ich will an dieser Stelle auch nicht weiter darüber spekulieren. Fakt ist: am gewaltigen Erfolg von Slipknot hatte Joey Jordison als Songwriter, im gestalterischen Bereich (er entwarf unter anderem das ikonische „Tribal S“-Logo der Band) und eben in seiner Funktion als herausragender Drummer einen enormen Anteil.

Jordison wurde 2010 vom Musikmagazin „Rhythm“ zum besten Drummer der letzten 25 Jahre gewählt – vor Titanen wie Mike Portnoy, Neil Peart oder auch Dave Grohl. Eine Auszeichnung, die den seinerzeit noch bei Slipknot tätigen Jordison selbst völlig überraschte.

Ich habe jedenfalls auch als Nicht-Drummer einen Höllenspaß, wenn ich im Archiv krame und Joey zu seinen Slipknot-Zeiten brutal, präzise und nebenbei noch wild headbangend trommeln sehe.

 

So, dass soll es aber in Sachen persönlicher Heldenverehrung auch gewesen sein!

So langsam wird es Zeit, die Allgemeinplätze hinter mir zu lassen und mehr ans Eingemachte zu gehen, was das Thema Metal angeht. Und Dinge anzusprechen, die mit der Musik an sich oft nur am Rande zu tun haben.

Gleich im nächsten Blogpost starte ich da mal einen ersten Versuchsballon.

 

Sep 082015
 

mann_ueber_wort_midde_band_icon_300Spielste inner Band, kannste wat erleben.

Über die mal mehr, mal weniger glorreiche Vergangenheit, als ich bei Soultrip bzw. Noisegate das Mikro schwang, und die Erlebnisse mit halb-französisch nuschelnden Bühnentechnikern am Rande des Nervenzusammenbruchs, an kuriosen Orten vergessenen Instrumenten, fehlgeschlagenen Salti mit Gitarre oder grandiosen Auftritten als Salami im Hausflur könnt ihr euch in Kürze auf der Soultrip Memorial-Website amüsieren.

In „Midde Band“ geht’s ausschließlich um die Gegenwart und absehbare Zukunft, und die heißt Green Ink Machine.

Wann auch immer in meinem Bandleben mit meinen Rockbrüdern irgendetwas passiert, was einen Schreibdurchfall verursacht, wird dieser hier zu finden sein: ich denke da an Kuriositäten, Blicke hinter die meist gar nicht vorhandenen Kulissen oder ganz persönliche Betrachtungen von bandmäßigen Groß- und Kleinereignissen.

Warnhinweis: es kann durchaus vorkommen, dass die Beiträge in „Midde Band“ Muckerslang, Muckerhumor oder andere muckerspezifische Textelemente enthalten. Dies ist zu jeder Zeit und in jedem Fall volle und bewusst rücksichtslose Absicht. \m/