Sep 132015
 

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Guter Rat: Macht eure Hausaufgaben. Hart rockende Musiker machen die nämlich auch. Und zwar gründlich!

Die Älteren unter euch erinnern sich: im letzten Schwermetall-Post, dessen ursprüngliche Version noch auf Fratzenbuch veröffentlicht wurde, hatte ich ja mit Hilfe des Musikwissenschaftlers Dietmar Elflein mit dem Vorurteil „Metal=Krach“ ein wenig aufgeräumt.

Ich hatte zum Schluss des Posts dann auch noch mal explizit darauf hingewiesen, dass sich im Metal und seinem hart rockenden Dunstkreis jede Menge großartige Musiker tummeln. Virtuosen. Helden. Meilensteinsetzer. Namen habe ich jedoch praktisch keine genannt. Da wollte ich ursprünglich wieder ansetzen.

Während ich mit WordPress kämpfte und meine bereits getätigten Fratzenbuch-Ergüsse in diesen Blog hier packte, habe ich darüber nachgedacht, wie und wann ich so langsam aber sicher mal ans Eingemachte gehe, was die Themen angeht. Ich hatte eine Menge Dinge auf meiner To-Do-Liste, die ich für wichtiger und interessanter hielt, als musikalische Heldenverehrung zu zelebrieren. Aber ganz so abrupt wollte ich das Thema „herausragende Musiker in der harten und härteren Rockmusik“ dann doch nicht abhaken.

Was ich keinesfalls wollte war allerdings, irgendwelche Rankings oder „Bestenlisten“ herunterzurattern. Für die passionierten Statistiker, Bewerter und In-Tabellen-Einordner gibt es massig Material zum Thema im Web.

Wie also weitermachen? Nur die „alten“ Helden und Innovatoren abfeiern? Was ist mit den jüngeren Vertretern der hohen Schule? Denn meiner Meinung nach ist das spielerische Niveau neuer, junger Metal-Bands heutzutage zum Teil sehr hoch – abseits der heutigen Studiotechnik, die bei Aufnahmen quasi kaum noch Rückschlüsse auf das tatsächliche Niveau einer Band zulässt, beweisen diese Musiker ihre Qualitäten ein ums andere Mal auch live.

Dann fielen mir all die handwerklich fantastischen Musiker im ganz harten Sektor des Metal ein. Würde ich denen gerecht werden? Würde ich z.B. eine Band wie Meshuggah möglicherweise glatt vergessen, deren komplizierter „Math Metal“ alles andere als leicht verdaulich, aber eben musikalisch wie handwerklich bewundernswert ist?

Und was ist mit den grandiosen Opeth?

Und.. und… und?

Um ohne schlechtes Gewissen aus der Sache herauszukommen, war folgende Überlegung hilfreich:

„Schwermetall ist das Gesetz“ ist, bei aller dargebotenen Klugscheißerei und all den Belehrungen über Grundsätzliches in Sachen Metal, am Ende des Tages einfach nur ein kleiner, persönlicher Blog, kein Referenz-Nachschlagewerk, und erhebt auch keinerlei Anspruch darauf, der Bezeichnung „Musikjournalismus“ gerecht zu werden. Um Himmels willen, nein. Es ist eine persönliche Sache, und bei allen harten Fakten, die dafür zusammengetragen und genannt werden, bleibt es doch unter dem Strich eine subjektive Angelegenheit. Und speziell die Mucker unter euch kennen das: die Diskussionen darüber, welcher Musiker warum einen Heldenstatus genießt und ob er diesen zurecht hat und ob Gitarrist Dingsbums nicht vielleicht doch „innovativer“ oder „wichtiger“ ist als Gitarrist XYZ lassen sich endlos auswalzen.

Deshalb lasse ich der Subjektivität an dieser Stelle freien Lauf und werde in diesem Post nur einige wenige Musiker aufs Podest stellen, die mich (!) persönlich (!) enorm beeindruckt und teils auch beeinflusst haben, und die an dieser Stelle mehr oder weniger exemplarisch für meiner Meinung nach bemerkenswerte Musiker aus dem Metal und verwandten Musikbereichen stehen sollen. Es ist denkbar, eigentlich sogar sehr wahrscheinlich, dass ich dem einen oder anderen Einzelmusiker oder einer speziellen Band mal einen Extra-Abfeier-Post widme. Hier und jetzt gibt es aber eine Art Schnelldurchlauf. Besonders viel Raum bekommen die Sänger und Gitarristen, da ich in diesen beiden Bereichen eigene praktische Erfahrungen gesammelt habe bzw. immer noch sammle.

Aufgrund der vielen Links, eingebetteten Videos und im Dienste der Übersicht splitte ich die Heldenverehrung in zwei Teile auf. Ich beginne mit den Gitarristen, im nächsten Blogpost sind die Sänger an der Reihe, zusammen mit den Bassisten und Drummern.

So, jetzt lasst erst mal die Gitarren sprechen!

Nein, ich werde nicht zu rockhistorisch und schreibe jetzt nicht kilometerlang über Jimi Hendrix, ohne dessen innovatives Spiel die Rockmusik insgesamt, wie wir sie heute kennen, nicht die selbe wäre. Zu ihm muss man nichts mehr sagen oder schreiben.

Ich könnte über Jimmy Page (Led Zeppelin) schreiben. Pages Gitarrenspiel war sicher enorm wichtig für die Entwicklung der härteren Rockmusik. Nur würde ich Led Zeppelin nicht als frühe Metal-Band bezeichnen, was mir diverse „Alt-Fans“ sicher danken werden. Und wahrscheinlich auch Jimmy Page.

Ich könnte über Eddie van Halen schreiben, der die Rockgitarre mit seiner virtuosen Spielweise und Techniken wie dem Tapping für alle Zeiten verändert und geprägt hat. Im Falle Van Halen kann man übrigens durchaus davon sprechen, dass die ersten beiden Alben sicher zum Genre Hard Rock/Heavy Metal zu zählen sind.

Tatsächlich anfangen müsste und werde ich aber mit dem anerkannten Godfather der Metal-Gitarre, Tony Iommi (Black Sabbath). Inzwischen gilt es als allgemein anerkannte musikhistorische Tatsache, dass Heavy Metal mit Black Sabbath seinen eigentlichen Anfang nahm. Und dass der Metal seinen Ursprung zu einem großen Teil einem Unfall verdankt, in dem ausgerechnet schweres Metall bzw. Stahl eine im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Rolle spielten.

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Tony Iommi – der Godfather der Metal-Gitarre.

Im Alter von 17 – er spielte zu der Zeit bereits seit ca. 3 Jahren Gitarre – arbeitete Tony Iommi in einer Stahlfabrik und geriet mit der Hand in eine Maschinenpresse. Iommi zog reflexartig die Hand zurück, und dabei wurden seine Fingerkuppen an Mittel- und Ringfinger seiner rechten Hand abgetrennt. Zu allem Überfluss passierte dieser Unfall auch noch an Iommis letztem regulären Arbeitstag in der Fabrik.

Iommi war Linkshänder, griff deshalb beim Gitarre spielen also mit den nun schwerst lädierten Fingern der rechten Hand die Saiten und hatte nun ein gewaltiges Problem, dass für die meisten Menschen wohl das Ende ihrer musikalischen Tätigkeit bedeutet hätte.

Nicht so bei Iommi.

Er entschied sich dagegen, sich mühsam auf rechtshändiges Spiel umzustellen, und stellte stattdessen, als Schutzmaßnahme und Erweiterung der Finger, improvisierte Prothesen, praktisch „Fingerhüte“, für seine abgetrennten Fingerkuppen her. Das Material seinerzeit: eingeschmolzene Plastikflaschen. Problem dabei: Iommi konnte die Saiten unter den „Fingerhüten“ natürlich nicht fühlen, was dazu führte, dass er sie sehr fest herunterdrückte bzw. herunterdrücken musste. Als Gegenmaßnahme machte sich Iommi auf die Suche nach dünneren Gitarrensaiten, die zu dieser Zeit – wir schrieben 1965 – aber nirgends hergestellt wurden. Als Alternative – bis 1970 vom Hersteller Picato Strings erstmals Abhilfe geschaffen wurde – zog Iommi dünne Banjo-Saiten auf seine Gitarre.

Zudem stimmte man bei Black Sabbath Gitarre und Bass häufig um drei Halbtöne herab (von E auf Cis). Man höre als Beispiel u.a. „Children Of The Grave“. Somit waren die Saiten weniger gespannt und für Iommis Finger leichter zu drücken und zu ziehen. Obwohl Iommi später angab, dass das Herunterstimmen primär zu einem „bigger, heavier sound“ führen sollte, kam es seinem Spiel entgegen.

Iommis Handicap und die sich daraus ergebenden Konsequenzen hatten also einen nicht gerade unwesentlichen Anteil daran, dass Metal heute so klingt, wie wir ihn kennen. Speziell das Herunterstimmen der Gitarren ist heute nicht nur für die härteren Bands des Genres quasi eine Selbstverständlichkeit. Man muss sich also fragen, welche Entwicklung die Rockmusik im Allgemeinen und ihre härtere Ausprägung im Speziellen genommen hätte, wenn Tony Iommis Arbeitsunfall nie passiert wäre. Der Meister selbst dürfte sich diese Frage ebenfalls schon mehr als einmal gestellt haben. Sei es, wie es sei: Tony Iommi und Black Sabbath brachten den Metal praktisch auf die Welt.

Kurz, düster, in Moll gehalten, viele Wiederholungen in verschiedenen Variationen: die Gitarrenriffs, die Tony Iommi schuf, sind streng genommen immer noch die Basis dessen, was heutige Metal-Bands ihrer Hörerschaft um die Ohren hauen. Und ich unterschreibe folgendes: es gibt keine Metal-Band, deren Werk nicht auf dem fußt, was Iommi und Black Sabbath Ende der 60er/Anfang der 70er aus der Taufe hoben – ob sie Black Sabbath nun bewusst oder unbewusst zitieren, oder in welchem Umfang, spielt dabei keine Rolle.

Wer heute Metal hört, sollte Tony Iommi in jedem Fall Respekt zollen… und ihm verdammt dankbar sein.

 

Und was kam danach?

Die großen „Guitar Heroes“ z.B., die aus dem schon erwähnten, hart rockenden „Dunstkreis“ kommen, und die unzählige Gitarristen im Metal beeinflusst, inspiriert und teilweise sogar Auge in Auge unterrichtet haben.

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Steve Vai – der „Stunt-Gitarrist“

Über allen schwebt da für mich der geradezu überirdische Steve Vai. Zuerst als Gitarrist in der Band von Frank Zappa bekannt geworden, der Vai gerne als „Stunt-Gitarrist“ bezeichnete, war der Ehrendoktor des Berklee College of Music unter anderem in der Band von David Lee Roth aktiv. Berühmt wurde z.B. der „Dialog“ zwischen Vais Gitarre und Roths Gesang im Song „Yankee Rose“.  Steve Vai verschmilzt gerne Elemente aus Rock, Fusion, Jazz, Klassik und Blues, setzt gerne auf für das eher ungeübte Ohr abgedrehte Effekte, mit denen er praktisch ganze Klangwelten erzeugen kann, die mir jedes Mal aufs Neue die Kinnlade herunterklappen lassen. Dazu nehmen wir noch seine unglaubliche Bühnenpräsenz, und wir haben einen veritablen Gitarrengott auf Erden. Unglaublich, der Mann.

Nein, ich höre nicht jeden Tag Steve Vai und habe auch keinen ihm gewidmeten Altar irgendwo in meiner Behausung. Aber die Virtuosität und Musikalität von Vai sind einfach überwältigend. Ausgerechnet das teilweise heftig kritisierte Album „Sex & Religion“ z.B. trage ich immer noch täglich in MP3-Form mit mir herum. Und Songs von diesem Album landen immer noch häufig in meinen persönlichen Playlists.

Horcht selbst.

 

 

"Satriani 2010 13 12 1112" by Shape Prior - Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Satriani_2010_13_12_1112.jpg#/media/File:Satriani_2010_13_12_1112.jpg

Joe Satriani

Dann haben wir Joe Satriani, der u.a. kurzzeitig den von mir gerade ausführlich beweihräucherten Steve Vai und eine ganze Reihe von Metal-Gitarristen wie z.B. Rick Hunolt (Exodus), Alex Skolnick (Testament) oder Kirk Hammett (Metallica) und auch Tom Morello (Rage Against The Machine), auf den ich noch zu sprechen komme, zu seinen Gitarrenschülern zählte.

Satriani mag weit weniger glamourös erscheinen als z.B. ein Steve Vai, ist aber ein mindestens ebenso anerkannter Virtuose, bei dem besonders sein Einsatz von Legato und Tapping-Techniken hervorstechen.

Es ist mir jedenfalls immer wieder ein Fest, Joe Satriani zu lauschen, vor allem, weil er sich bei aller Kunstfertigkeit immer wieder dem Vorwurf entzieht, ein reiner „Dudler“ zu sein, da er nie die Melodik aus den Augen verliert bzw. aus den Fingern gibt. Ist natürlich nur meine bescheidene Meinung. Hört selbst.

 

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John Petrucci: kann alles, ausser seine Fähigkeiten durch Händeschütteln auf eifrige Gitarrenschüler zu übertragen. Schade. ;-)

Werden wir wieder etwas metallischer. Oh, dieser John Petrucci (Dream Theater).

Neben seinem über alle Zweifel erhabenen Gitarrenspiel an sich ist es auch die Tatsache, dass er bei all seiner Klasse immer noch so ein Sympath ist, die ich sehr schätze. Klar, ich kenne ihn nicht privat, aber Petrucci scheint mir alles andere als ein abgehobener, selbstverliebter Gitarrengott zu sein. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es mir gelang – damals war ich noch Gitarrenschüler – Petrucci nach einem Dream Theater-Konzert in Düsseldorf die Hand zu schütteln, und dass ich meine so gesegnete rechte Hand nicht mehr waschen wollte, in der vagen Hoffnung, des Gitarrenhelden Superkräfte wären auf mich übergegangen. Ich vergaß in meiner Euphorie ganz, dass meine linke Hand den Petrucci-Touch wesentlich nötiger gehabt hätte.

Wie auch immer, aus Rücksichtnahme auf Freundin und restliches Umfeld gab ich meine Verweigerung der Handhygiene nach einem halben Tag auf. Was soll ich sagen… kurze Zeit später stieg ich bei Noisegate ein. Als Sänger. 😉

 

Und weiter geht’s sehr metallisch.

Eines schönen Tages entschloss sich eine britische Band aus Birmingham, einen zweiten Gitarristen in ihre Reihen aufzunehmen. Der Wunsch nach mehr Druck im Rhythmusbereich und die Möglichkeit, zweistimmige Läufe oder Soli in die Songs einflechten zu können, führte zur Bildung eines der wirklich legendären Gitarrenduos im Metal. Die Band: Judas Priest. Die Gitarristen: Glenn Tipton und KK Downing.

Die „twin guitars“ waren zur damaligen Zeit (anno 1974) tatsächlich noch eher unüblich, speziell im Rock- und Metal-Bereich. Was Tipton und Downing schließlich bei Judas Priest darboten, hatte enormen Einfluß auf die Gitarrenarbeit im Metal und deren Aufteilung in Bands dieses Genres.  Tipton/Downing prägten viele Bands, die zu meinen „Einstiegsdrogen“ in Sachen Metal zählten. Ich habe zugegebenermaßen erst später zu Priest gefunden als zu vielen von ihnen beeinflussten Bands, aber das tut dem von mir ehrlich empfundenen Bedürfnis, diese beiden Gentlemen hier ausdrücklich lobend zu erwähnen, keinen Abbruch, da ich um ihre Bedeutung für das ganze Genre inzwischen nur zu gut weiß. KK Downing hat Priest zwar inzwischen verlassen und das scheinbar unzertrennliche Duo ist damit gesprengt, sein Erbe aber bleibt. Amen.

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KK Downing und Glenn Tipton (Judas Priest). Twin guitars rule!

 

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Dave Mustaine: stets zwischen Genie, Wahnsinn und Springteufel, aber eben ein grandioser Musiker.

Dave Mustaine (Megadeth) mag ein mürrischer Kotzbrocken sein, der sich im Laufe seiner Karriere so einiges an Verfehlungen geleistet hat – als Gitarrist, speziell als Rhythmusgitarrist, ist er eine Klasse für sich. Es war sicher nicht gesund für ihn, Megadeth in den frühen Jahren speziell als Werkzeug seiner Rache an seinen ehemaligen Kollegen von Metallica zu betreiben, die ihn kurz vor den Aufnahmen zu ihrem Debut feuerten. Was aus Metallica ohne Mustaine an Bord wurde, ist bekannt. Dass Mustaine nicht zuletzt deshalb angepisst war, ist verständlich. Dass er über lange Zeit nie so ganz verwunden hat, dass er an seinem Rauswurf bei Metallica selbst die Schuld trug, kann ich nur zu gut nachvollziehen.

Und trotzdem, und trotz der Tatsache, dass ich zu der kleinen, oft verständnislos beäugten Fraktion gehöre, die Metallica jederzeit für Megadeth links liegen lassen würde, hätte ich Mustaine für die eine oder andere öffentliche Aktion oder Äußerung in all den Jahren immer wieder würgen können. Er ist und bleibt ein schwieriger Charakter, der heute unter anderem mit der, sagen wir mal, sehr unlockeren Auslegung seiner irgendwann entdeckten christlichen Gesinnung (Mustaine bezeichnet sich als wiedergeborenen Christen und zählt sich seit einigen Jahren zur christlichen Erweckungsbewegung) und bedenkliche Nähe zur berühmt-berüchtigten US-amerikanischen National Rifle Association (NRA) irritiert. Über den Menschen Mustaine kann man trefflich streiten, als Musiker habe ich ihn immer bewundert.

 

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Dimebag zu Pantera-Zeiten

Unvergessen ist Dimebag Darrell (verstorben 2004), der nicht nur grundsätzlich ein fantastischer Gitarrist war, sondern mit seinem bei Pantera kultivierten Stil dem Metal endgültig etwas verlieh, das ihm zuvor weitestgehend fehlte, nämlich den Groove – und dessen tragischer Tod eine Lücke hinterließ, die meiner Meinung nach bis heute niemand im Metal-Bereich mehr füllen konnte.

Die Umstände seines Todes und die Folgen werden in einem späteren Blogpost ebenfalls noch einigen Raum einnehmen, da sie auch nach mehr als 11 Jahren Fragen aufwerfen, die weit über den Metal-Tellerrand hinausgehen. Über Dimebag werde ich in jenem Rahmen noch wesentlich mehr schreiben, deshalb hier die Kurzform – und als Beispiele für seine Kunst u.a.„Cemetary Gates“ (ausgerechnet, ich weiß…) und gesammelte Soli. We still miss you, Dimebag.

 

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Chuck Schuldiner: Härte und Extraklasse müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.

Chuck Schuldiner (Death, verstorben 2001) gehört definitiv in diese Heldenparade.

Wenn es jemand geschafft hat, in einem extremen Bereich des Metal, nämlich dem Death Metal, den unwiderlegbaren Beweis anzutreten, dass sich extreme Härte und Musikalität eben nicht gegenseitig ausschließen und dafür auch die verdiente Anerkennung einzufahren, dann war das Charles Michael „Chuck“ Schuldiner mit seiner Band Death.

Schuldiner zementierte zuächst mit den Death-Alben „Scream Bloody Gore“ und „Leprosy“ seinen Ruf als einer der Urväter des Death Metal in seiner heute hinreichend bekannten Form. Auf besagten Alben regierten brutale musikalische Härte und sehr genretypische, gore-lastige Texte.

Mit dem dritten Album „Spiritual Healing“ vollzog Schuldiner dann den großen musikalischen Wandel, der ihn zum anerkannten Pionier speziell im Death Metal-Bereich avancieren ließ. Die Songs auf „Spritual Healing“ waren komplexer und technisch anspruchsvoller als das frühere Death-Material, vor allen Dingen, was Schuldiners Gitarrenspiel betraf. Von „Spiritual Healing“ an verzichtete Schuldiner auf ein festes Bandgefüge und heuerte Studio- und Sessionmusiker für Aufnahmen und Konzerte an. Auch textlich entfernte sich Schuldiner von den genreüblichen Klischees und bevorzugte religions- und gesellschaftskritische sowie politische Themen.

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Dieses Meme würde wohl der Großteil der Metalheads unterschreiben. Chuck Schuldiners musikalisches Erbe genießt höchste Wertschätzung.

Mit den nachfolgenden Alben „Human“, „Individual Thought Patterns“ und „Symbolic“ setzte der Mastermind die mit „Spiritual Healing“ begonnene Entwicklung konsequent fort. Hohe Musikalität und komplexe, progressive Songstrukturen, getragen speziell von Chuck Schuldiners herausragendem Gitarrenspiel, liessen die Bezeichnung „Death Metal“ höchstens noch durch den noch genretypischen Gesang gerechtfertigt erscheinen.

Schuldiner hatte noch einiges vor – er schloss sich Philip Boas Metal-Projekt Voodooclub an und gründete mit Control Denied quasi die Death-Nachfolgeband, in der er sich auf das Gitarrenspiel konzentrierte und damit die Fesseln des limitierten Gesangs/Gebrülls, der im Death Metal vorherrscht, ablegte. Leider konnten die Zukunftspläne Schuldiners nur wenige, viel zu wenige, Früchte tragen.

Chuck Schuldiner verstarb am 13. Dezember 2001 an einem Gehirntumor.

Die Anerkennung für sein Schaffen ist allerdings ungebrochen, und das nicht nur in der Metal-Szene.

 

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Großer Innovator und Grenzensprenger: Tom Morello

Dringend zu erwähnen ist noch jemand, der aus einem anderen Bereich des „Dunstkreises“ kommt als Vai oder Satriani, und der für die gesamte modernere, harte Gitarrenmusik enorm wichtig war und ist – Tom Morello (Rage Against The Machine), ein echter Innovator.

Morello vereint in seinem Spiel u.a. Punk-, Metal-, Funk- und Hip-Hop-Einflüsse, die er mit außergewöhnlicher Technik und dem Einsatz von verschiedensten Effekten zu einem einzigartigen, unverkennbaren Stil formt. Für mich war es – neben dem bereits erwähnten Dimebag Darrell im Metal-Bereich – vor allem Tom Morello, der gezeigt hat, dass sich Härte und geradezu tanzbarer und trotzdem heftiger Groove sehr wohl vereinen lassen. Morello versteht es, der Gitarre außergewöhnliche Klangteppiche zu entlocken, die er auf brilliante Weise mit klassichem Riffing fusioniert.

Hip-Hop-artiges Scratching auf den sechs Saiten, gefolgt von Polizeisirenen-Sounds, die quasi nahtlos in Riffs überfließen, die ins Hirn und in die Beine gehen – gerade in letzter Zeit, wenn wir mit Green Ink Machine z.B. „Bulls On Parade“ oder „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine spielen,  spüre ich förmlich körperlich, wie Morellos Gitarrenspiel funktioniert, wie innovativ es war und wie großartig es nach wie vor ist.

Dass Morello so ganz nebenbei noch eine interessante Persönlichkeit ist und nicht nur als Musiker, sondern auch – wie seinerzeit Rage Against The Machine als gesamte Gruppe – als politischer Aktivist von sich reden macht, rundet das Bild noch zusätzlich ab. Morello ist übrigens studierter Politikwissenschaftler – und für mich einer der wichtigsten Rock-Gitarristen aller Zeiten. Punkt.

 

Im nächsten Blogpost geht es, wie angekündigt, mit „meinen“ Sängern weiter.