Aug 192016
 

mann_ueber_wort_metal_icon„Cause I’m just a teenage dirt bag, baby
Yeah I’m just a teenage dirt bag, baby
Listen to Iron Maiden maybe, with me“

Ja, ja, dieser Song der inzwischen – im Gegensatz zu Iron Maiden – nicht mehr sonderlich populären Band Wheatus.

Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Song. Vermutlich, weil er – so mein Empfinden – auch genauso geschrieben wurde, aus einem zwiespältigen Gefühl heraus. Als ob sich der Wheatus-Frontmann Brandon B. Brown auf der einen Seite über sein jüngeres „Dirtbag“-Ich lustig macht, und auf der anderen Seite auch ein wenig Wehmut durchklingen lässt ob der alten Zeiten.

Auf dem Weg zum Rock im Revier-Festival in der Dortmunder Westfalenhalle, am 27.05.2016 (ich hatte die Karte zu 99,9% gekauft, um endlich noch mal – tätää! –  Iron Maiden zu sehen, große Helden meiner eigenen „Teenage Dirtbag“-Jugend) hatte ich diesen Song ständig im Kopf. Ärgerlich, eigentlich, wo ich doch eher Bedarf daran gehabt hätte, die eine oder andere Nummer vom neuen Maiden-Album „The Book Of Souls“ tiefer in meinen Hirnwindungen zu verankern.

Es half nichts, das schräge Organ von Brandon B. Brown hallte durch mein Oberstübchen. Und damit Erinnerungen an die Zeit, als ich aufgrund meines Musikgeschmacks, der ständig getragenen Maiden-, Megadeth-,  Slayer- etc.-Shirts, der langen Haare, der Ohrringe und jeder nur erdenklichen Abweichung von der äußerlichen „Norm“ gedisst und gemobbt wurde.

Was mich allerdings in keinster Weise von „meiner“ Musik abbringen konnte. Im Gegenteil. Mein ganz persönliches tägliches Teenage-Drama weckte in mir stets eher den Eindruck, dass ich durchaus richtig damit lag, mich den ganzen Dissern und Mobbern und zukünftigen Stützen unserer Leistungsgesellschaft zu verweigern. Was sollte ich von Menschen halten, denen Oberflächlichkeiten offenbar zu einem vernichtenden Urteilsspruch reichten und die Dinge wie einen gegen den Strich gebürsteten Musikgeschmack zum Anlass nahmen, andere Menschen zu diskriminieren, zu denunzieren und ihnen das Leben gezielt zu erschweren?

Den Kern dieses Gefühls habe ich nie verloren. Das stellte ich wieder mal fest, als ich gen Dortmund fuhr. Maiden gucken. Da saß ich also mit meinem „Metallbruder“ Basti im Auto, mit meinen 43 Jahren, nach knapp 30 Jahren des Konsums und auch Schaffens harter Rockmusik, immer noch bzw. wieder im Maiden-Shirt, und spürte immer noch die „Teenage Dirtbag“ in mir. Und ich fand es null komma null schlimm oder bedenklich. Some feelings never die. Und manchmal ist das auch gut so. Es fühlte sich richtig an.

Was andere, konservativere Altersgenossen darüber denken? Bringt mich ungefähr so zum „Umdenken“ bzw. Anpassen wie vor 30 Jahren. Nämlich gar nicht. Sie verstehen es nicht. Sie werden es auch nie verstehen. Das kann man ihnen noch nicht mal vorwerfen. Befremdlich wirkt halt oft, wie viele eben jener „normalen“ Menschen sich in den sozialen Medien als Verfechter von Toleranz, Verständnis und Nächstenliebe gerieren, dann aber schon beim Anblick eines nicht mehr ganz so jungen Menschen im „Number Of The Beast“-Shirt all diese Tugenden innerhalb einer Nanosekunde vergessen. Wenn das für viele schon eine unüberwindliche Hürde darstellt, mache ich mir ernsthafte Sorgen um die angestrebte Integration anderer Kulturen. Du willst Bigotterie und Intoleranz am eigenen Leib erleben? Sei über 40, meinetwegen auch über 30 und stehe dazu, dass du Metal und Rockmusik allgemein liebst und auch in gewisser Weise lebst.

Ich weiß – ich sollte da nicht verallgemeinern. Ich will nicht in striktes „wir hier“ und „die da“ spalten. Wäre auch sehr engstirnig und intolerant von mir. Es ist aber hochinteressant, wie negativ viele der „Normalen“ in unserem ach so aufgeklärten Zeitalter immer noch auf die – in Relation zum allgemeinen Weltgeschehen – eher unwichtige Tatsache reagieren können, dass du mit „normaler“ Musik nichts anfangen kannst und eben immer noch ein wenig „Teenage Dirtbag“ bist. Es soll mir egal sein. Es wird mir wohl bis ins Grab einfach nur widerstreben, mir von der „Masse“ diktieren zu lassen, was ich zu lieben habe, und in welchem Maße. Ich lasse euch eures, lasst mir bitte einfach meins. Sollte doch nicht so schwierig sein, oder?

Vielleicht sollte ich mir aber auch Visitenkarten drucken lassen, die meinem infantilen, von Rockmusik zerfressenen, aufmüpfigen Geist entsprechen, für den Fall, dass wieder mal fruchtlose Diskussionen drohen:

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Will ich aber eigentlich nicht. Ich möchte einfach nur an dem Spaß haben dürfen, was nach so langer Zeit inzwischen einfach Teil meiner DNA und unabänderlich ist, ohne dafür diskriminiert zu werden. So wie die „Normalen“ auch.

Oh Mann, all diese Gedankengänge drängten sich auf, weil ich „Teenage Dirtbag“ von Wheatus für mich persönlich überinterpretierte! Schluss damit! Maiden! Maiden! Maiden!

All die trüben Gedanken waren auch ruckzuck vergessen, als wir an der Halle ankamen. Das Wetter war prächtig, man hatte vor der Halle für Biergarten-Atmosphäre gesorgt. Was zum unzähligsten Male auffiel: von der äußerst entspannten, friedlichen Atmosphäre unter den Metalheads vor wie auch in der Halle kann sich so manches Volksfest der sogenannten „Normalen“ gerne mal eine dicke Scheibe abschneiden. Um mal ein wenig des Teufels Advokat zu spielen: „Die Wahrscheinlichkeit, auf dem Münchner Oktoberfest oder beim Feuerwehrfest in Winsen an der Luhe grundlos von volltrunkenen Honks die Fresse poliert zu bekommen, ist ungleich höher als bei einem Rockfestival.“ BÄM!

Schon gegen 17:30 Uhr durften wir die wunderbaren Ghost bewundern. Die „Nameless Ghouls“ um Papa Emeritus III. polarisieren heftig und werden speziell unter Diehard-Maiden-Fans nicht durchweg geliebt, hatten aber trotzdem eine Menge Leute aus der Sonne vor die Bühne in der Halle gelockt. Zurecht. Ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, dessen Wirkung man sich nur schwer entziehen kann. Ich hatte zu Beginn auch so meine liebe Not mit dem musikalischen Output von Ghost, aber: sie haben mich gekriegt. Und wenn man erst mal soweit überzeugt ist und das Ganze dann live sieht (sprich: das Gesamtkunstwerk), wird man quasi zwangsläufig zum Fan geweiht.

Mein Körper zuckte bereitwillig mit. Ja, ich nehme für mich in Anspruch, das Konzept von Ghost, so lachhaft es manch oberflächlichem Zuhörer/-schauer auch immer noch erscheinen mag, verstanden zu haben. Ich grinste während des gesamten Sets der Schweden zufrieden, auch aufgrund der Erkenntnis: es müssen für mich definitiv NICHT immer nur die alten Heroen sein. Ich bin immer noch offen für Neues. Obwohl ich mich natürlich auch diebisch auf die Hauptattraktion des Abends freute.

Fast Forward to the one and only Iron Maiden.

Maiden markierten meine Anfänge in der Welt der harten Rockmusik, wie ich ja schon an anderer Stelle mal betont habe.

Diese Band begleitet mich also seit etwas mehr als 30 Jahren durch die ups und downs meines Lebens. Logisch, dass da inzwischen eine besondere Art der Verbundenheit besteht.

Man kann Maiden natürlich vorwerfen – und das tut die sogenannte „Muckerpolizei“ gerne – sich seit zig Jahren auf bewährte Songwriting-Schablonen zu verlassen und „sich nicht weiterzuentwickeln“.

Da fehlt mir etwas, Freunde: der Respekt. Ich für meinen Teil kann einfach nur Respekt haben vor diesen Männern, inzwischen alle um die 60 Jahre alt, die über Jahrzehnte, durch alle Krisen, vorbei an allen musikalischen Trends, Modewellen und Strömungen, ihr Ding durchgezogen haben und weltweit Hallen und Stadien gefüllt haben, die Zeit ihres Bestehens eine der größten Rockbands des Planeten waren und auch immer noch sind. Diese Zähigkeit, diese Langlebigkeit, diese Zeitlosigkeit verdient zuallererst mal: allerhöchsten Respekt.

Sicher, die ganz großen Experimente blieben in der Karriere der Band außen vor. Allerdings waren der Einsatz von Gitarrensynthies auf „Somewhere In Time“ oder die seinerzeit für eine Metal-Band wie Maiden recht mutigen Keyboards auf „Seventh Son of a Seventh Son“ durchaus kleine Wagnisse.

Und mal ehrlich: was wollt ihr Muckerpolizisten bitte von Steve Harris & Co.? Reggae-Einlagen? Rap-Passagen? Das können andere besser, ganz einfach, weil sie es fühlen und auch rüberbringen können. Weil es zu ihnen passt. Oder hätten sich Maiden seinerzeit dem Nu Metal verschreiben sollen? Was hätte das für einen Aufschrei gegeben!

Nein, liebe Leute. Maiden sind Maiden und bleiben Maiden. Und das ist gut so. Und „The Book Of Souls“ ist auch ohne sogenannte Innovationen ein brettstarkes Album geworden, das ganz und gar nicht nach Frührente oder Bocklosigkeit klingt. Auch nicht nach Einfallslosigkeit. „Stilsicher“ trifft es doch auch ganz gut, oder?

Und live… live sind sie immer noch eine Macht. Das machte der Gig bei „Rock im Revier“ noch einmal ganz deutlich.

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Bruce Dickinson. Meine Fresse, dieser Bruce Dickinson. Inzwischen 58 Jahre alt. Gerade vom Zungenkrebs genesen. Und dann fegt er über die Bühne, über „seine“ Laufstege, wie eh und je und singt dazu noch großartig. Da kann ich nur noch auf die Knie gehen. Ich sehe diesen Mann vor mir auf der Bühne, wie erstmals vor 27 Jahren, und lächele verklärt. Die Haare sind (beiderseits) kürzer, das Gesicht (beiderseits) faltiger. Aber alles andere? Wie einst im Mai. Dieser Typ ist Musik. Dieser Typ ist Energie. Dieser Typ ist Rock’n’Roll. Die Tatsache, dass es solche Typen noch gibt, macht mich regelrecht glücklich.

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Steve Harris. Immer noch ein Irrsinns-Energiebündel. Die Fuß-auf-der-Monitorbox-Pose, während er den Bass ins Publikum „feuert“, zündet immer noch. Der Boss der Irons ist, man sehe in sein Gesicht, natürlich ebenfalls gealtert. Merkt man es seiner Performance an? Nein. Null. Bewundernswert.

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Janick Gers. Der Gitarrist hat sich vielleicht am meisten „verstrichen“, was den altersbedingten Knitterfaktor angeht. Aber schau sich einer diesen Typen an! 60 Jahre alt, und immer noch positiv semi-wahnsinnig, wie er da herumrennt und tänzelt und die Klampfe immer wieder in weitem Bogen durch die Luft schleudert. Pure Energie. Pure Liebe für die Musik und die Show. Da kullerten mir fast die Freudentränen übers Gesicht.

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Dave Murray und Adrian Smith. Speziell letzterer war ja immer schon eher ein entspannterer Vertreter seiner Zunft, trotzdem: der lebt das, der liebt das. Und Dave Murray, im feister gewordenen Gesicht immer noch dieses typische, schelmische Grinsen quer über die Pausbacken, immer noch zu 100% mit dem Herzen bei der Sache. Ich grinste jedesmal mit, wenn ich Murray ansah. Da ging mir das Herz auf.

Nicko McBrain, der Drummer und ewige Doublebass-Verweigerer. Hat immer noch einen der flinksten Füße im Business. Spielt übrigens immer barfuß. Sieht jetzt endgültig aus wie Gandalf ohne Bart, aber gerade das verleiht ihm noch mal eine Extraportion Würde. Wenn man ihm beim Spielen zusah und auch nur ein wenig Herz für Musik hat, musste man angesichts der Energie und Spielfreude, die er immer noch an den Tag legte, Gänsehaut bekommen. Und ich bekam welche.

Die Songauswahl? Gleich sechs Songs von „The Book of Souls“, was Alt-Fans vielleicht ein wenig zu viel war. Aber ein „If Eternity Should Fail“ oder ein „The Red And The Black“ mit seinem unwiderstehlichen „Whoaa-Whoaa-Whoaaaa“-Mitsingpart reihten sich meiner Meinung nach nahtlos ein in die Riege der Klassiker, die Maiden natürlich ebenfalls im Gepäck hatten. Da man laut Bruce Dickinson das Wort „old“ heutzutage allgemein ja nicht mehr benutzen darf und stattdessem von „Legacy“ spricht, gab es haufenweise „Legacy Songs“.

„The Trooper“. Der Song, mit dem für mich im Grunde alles anfing. „Powerslave“. „Hallowed Be Thy Name“. „Fear Of The Dark“. Glück, in Noten gegossen. Und auch wenn die Routiniers sich bei „Fear Of The Dark“ kurz einen groben Timingschnitzer leisteten, der bei der halben Muckerpolizei in der Halle Schnappatmung auslöste – hey, das ist LIVE!!!

Beim über 30 Jahre alten „Children Of The Damned“ vermutete Dickinson, dass „einige Anwesende noch gar nicht geboren waren, als dieser Song geschrieben wurde“. Die Videowände zeigten einen Kameraschwenk über die erste Reihe – die offenbar fast vollzählig noch nicht geboren war, als dieser Song geschrieben wurde. :-)

Überhaupt: Alt-Rocker, mittelalte Rocker, die ihre Söhne und Töchter (ebenfalls schon im Maiden-Shirt) auf den Schultern trugen, Teenager – es war mal wieder offensichtlich, dass Rockmusik generationenübergreifend ist. Eine große Familie, sozusagen. Herrlich. Und wieder mal ein schönes Zeichen gegen die „Rock ist tot“-Theorien, die da draußen immer wieder mal kursieren.

Die Show abseits der Performance der Musiker an sich? Moderater, aber effektiver Pyro-Einsatz, klasse Lightshow, ständig wechselnde Backdrops, natürlich ein über die Bühne rennender Eddie und beim Song „Iron Maiden“ auch ein riesiger Eddie hinter dem Drumkit. So, wie man es als Maiden-Fan haben will.

Auch wenn es sich seltsam anhört: wenn das das letzte Maiden-Konzert in meinem Leben gewesen sein sollte, dann wäre es okay. Das war durchaus auch ein Hintergedanke, den ich hatte, als ich sofort und ohne zu zögern das Ticket für dieses Konzert gekauft habe: ich wollte Maiden auf jeden Fall noch einmal in Hochform erleben. Einen springenden, rennenden Dickinson ganz besonders. Mission accomplished. Meine Fresse, ich wäre JETZT gerne so fit wie diese Herrschaften es mit 60 offensichtlich sind! Da liegt noch etwas Arbeit vor mir…

Der Zugabenteil lässt mich noch mal deutlich spüren, dass die „Teenage Dirtbag“ in mir quicklebendig ist, und dass ich das völlig in Ordnung finde.

„Woe to you, oh earth and sea…“

„The Number Of The Beast“ ist nun wirklich keine Ballade. Kein Schmus, kein Feuerzeug-Song. Aber: ich habe schon beim Intro einen Kloß im Hals. Und Gänsehaut. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, aber ich spüre sie jetzt besonders deutlich, als ich grinsend dastehe und das Intro Wort für Wort mitspreche. Zum was-weiß-ich-wievielten Mal in meinem Leben. Ich schaue auf all die 15-, 16-jährigen Nachwuchs-Fans, die das ebenfalls tun. So wie ich in dem Alter. Und es fühlt sich so an, als würde ich mein eigenes, jüngeres Ich betrachten, als es auf dem ersten Maiden-Konzert seines Lebens vor Glück und ausgelebter Begeisterung fast explodierte. Ich stehe nun als „alter Sack“ immer noch bzw. zum x-ten Mal da und erlebe das mit.

„I have the fire! I have the force!“

Und es ist immer noch geil. Es ist immer noch Gänsehaut pur. Wie soll man jemandem, der dafür nicht den geringsten Sinn hat, klarmachen, warum einen in so einem Moment die Emotionen fast überwältigen? Wo dieses Gefühl der vereinten Rock-Familie herkommt, dass es so in keiner anderen Musikrichtung gibt? Ich versuche es gar nicht erst. Ich genieße es einfach. Wieder und wieder.

Wie die zweite Zugabe es knapp auf den Punkt bringt: „We’re blood brothers!“ ’nuff said.

Der Abschluss mit „Wasted Years“, einem Song, der seit Jahrzehnten immer wieder von mir in bestimmten Lebenslagen hervorgekramt wird und der immer noch dafür sorgt, dass ich mich besser fühle, verschafft mir nochmal wohlige Schauer der Erkenntnis: im Herzen bin ich für immer die einst von den inzwischen quasi vergessenen Wheatus besungene Teenage Dirtbag.

Und scheiß der Hund drauf – ich liebe es.

Sep 302015
 

mann_ueber_wort_nacktgedanken_icon_300

Oh, Mist. Da sitze ich am Rechner und versuche, einen der seit Wochen als Entwurf unfertig auf dem Server herumliegenden Blog-Beiträge fertigzustellen, und eigentlich fließt es ganz flott vom Kopf über die Finger in die Tasten.

Dann plötzlich tritt jemand auf die mentale Bremse, und der eigentlich locker-flockige Beitrag für die „Restmüll“-Kategorie wird erneut auf halbem Weg zur finalen Version gestoppt. So wie neulich schon der Gaming-Blog-Beitrag. Und der eigentliche Auftakt zum „Ballad of Johnny Crock“-Single-Blog. Und der neue Schwermetall-Beitrag. Nichts wurde fertig. Und dieses eigentlich so simple Comedy-Ding über nervtötende Menschen beim Einkaufen, das ich heute raushauen wollte, steckt jetzt ebenfalls fest.

Er war das. Er ist wieder am Werk. Er nervt mich mit seiner Anwesenheit. Aber ich kann ihn auch nicht einfach vor die Tür setzen. Auch wenn ich jetzt, in diesem Moment, nichts lieber täte.

Er übernimmt das Ruder. Wo gerade noch völliges Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten für erfreulichen Wortfluss sorgte, hemmt er jetzt meinen Fortschritt mit einem Gedanken-Dauerfeuer, das, richtig genutzt, vielleicht sogar produktiv sein könnte. Ist es aber nicht. Es überlädt mein neuronales Netz bis weit über den Anschlag hinaus. Er war, wie man fairerweise sagen muss, schon oft eine große Hilfe beim Schreiben. Und nicht nur da. Seit einiger Zeit ist er allerdings eine üble Betriebsbremse. Leider ebenfalls nicht nur beim Schreiben.

Furchtbar, diese Grübelei.

Soll ich vielleicht…? Oder besser doch…? Oder wie wäre es mit…? Oder andererseits könnte man auch… aber was denkt dann… ach… ich kann mich nicht entscheiden. Abbrechen, als Entwurf speichern, ausloggen. „Vielleicht wird’s morgen fertig, wenn wir alles wirklich genau durchdacht haben, das ist auch noch früh genug. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Wir dürfen uns absolut keinen Fehltritt erlauben, rechtfertigt er seine Arbeitsverhinderungsmaßnahme auch noch.

Pathetisch. Wirklich. Dem anderen würde das nicht passieren. Der würde kurz, aber konsequent nachdenken, eine Entscheidung treffen, dementsprechend handeln und hätte keinen Schiss davor, mit den Konsequenzen zu leben.

Abwägen, hin- und herdenken, noch mal abwägen, alles im Kopf zigtausendmal durchspielen – das ist nicht immer die effizienteste Art, sich durchs Leben zu bewegen. Der andere beschwert sich zurecht ziemlich oft bei mir über diese zaudernde Vorgehensweise. Der andere mag sie absolut nicht.

Moment mal. „Er?“ Und „der andere“?

Tja, ich habe so etwas wie Untermieter. Zwei an der Zahl. Die wohnen völlig gratis und sind praktisch unkündbar (auch Eigenbedarf zieht bei ihnen nicht). Ihr genauer Wohnsitz: mein Kopf.

Darf ich vorstellen: der Grübler und der Macher.

Gerade in den letzten Monaten stelle ich häufig fest, dass sich sich da zwei Extremisten in meinem Oberstübchen eingenistet haben. Um ehrlich zu sein: sie sind schon vor langer Zeit eingezogen, sind aber nicht immer so unangenehm aufgefallen wie in der letzten Zeit. Eine ganze Zeit lang waren wir sogar eine richtig gut funktionierende Wohngemeinschaft. Die beiden Untermieter waren nicht immer Extremisten. Aber die Verstöße gegen die Hausordnung häufen sich zusehends. Ich, als Vermieter, habe da wohl ganz schön die Zügel schleifen lassen, denn momentan ist unsere Koexistenz sehr unharmonisch und für keinen der Beteiligten besonders vorteilhaft. Der gestörte Hausfrieden in der Kopf-WG hatte in letzter Zeit übrigens auch noch deutlich üblere Auswirkungen als die schon geschilderten Schreibblockaden. Er hatte Auswirkungen auf nahezu alles.

Wir verstehen uns im Moment wirklich nicht besonders gut – der Grübler, der Macher und ich. Und die beiden letzteren Herren sorgen derzeit besonders mit heftigen Streitereien untereinander für enorme Unruhe im Haus.

Meine Güte, was tippe ich da bloß? Ist es soweit? Bin ich zur gespaltenen Persönlichkeit mutiert? Drehe ich endgültig am ganz großen Rad?

Ich habe durchaus kompetentes Fachpersonal im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis, dem ich dazu die eine oder andere Frage stellen könnte, ohne dafür gleich eine gepfefferte Rechnung präsentiert zu bekommen. Aber ich wollte erst mal selbst nachforschen. Ohne den Grübler, der mich wieder nur davon abgehalten hätte, zu einem Ergebnis zu kommen. Und auch ohne den Macher, der einfach abgewunken und gesagt hätte, dass wir unsere Zeit lieber mit gepflegter Action verbringen sollen.

Ohne also meine Untermieter zu alarmieren – ab und zu gelingt mir so ein Husarenstreich doch noch – haben meine privaten Recherchen ergeben, dass die aktuelle Lage in der mentalen WG und das Verhältnis der Beteiligten untereinander weder die Kriterien der Schizophrenie noch die der dissoziativen Identitätsstörung (diese, die das berühmt-berüchtigte Phänomen der multiplen Persönlichkeiten beinhaltet, ist nämlich oft gemeint, wenn der gerne etwas undifferenziert daherredende Volksmund von „Schizophrenie“ spricht) erfüllen.

Puh. Erleichterung. Schwein gehabt.

Aber… bin ich vielleicht ein Borderliner? Nachlesen. Infos sammeln. Aber bloß nicht den Grübler auf den Plan rufen.

Nein, auch BPS passt nicht ganz zu uns dreien.

Aber was ist dann los mit mir, bzw. mit uns?

Okay, ein Schritt nach dem anderen. Ich erstelle zuallererst mal Profile meiner beiden mentalen Untermieter.

Zuerst zum Grübler. Der ist eigentlich ein richtig schlaues Kerlchen. Er ist nett. Rücksichtsvoll. Sogar liebevoll. Fast schon zu brav. Er ist durchaus gesellig. Er hat ein paar wirklich überzeugende Fähigkeiten. Aber: er hadert, er zaudert, er zögert. Er hasst seine Unsicherheiten, aber suhlt sich auch oft in ihnen, weil es nicht so anstrengend ist wie der Versuch, sie zu überwinden. Er denkt über alles oft einfach zu gründlich nach, er hat ein furchtbares Selbstbild, er kann vieles und will auch dementsprechend vieles, aber kriegt oft die Kurve vom Denken zum zielführenden Handeln nicht. Was, logischerweise, zu noch mehr Zauderei und noch mehr Lackschäden am Selbstbild führt.

Der Grübler befindet sich, trotz zeitweiliger Achtungserfolge, in einer endlosen Spirale des „hätte, hätte, Fahrradkette“. Er ist grundsätzlich zu Erstaunlichem fähig, kriegt es aber oft schlicht nicht auf die Platte. Der Grübler holt sozusagen immer wieder erfolgreich Elfmeter heraus, denkt dann aber beim Anlauf zu viel nach und damit jede Chance auf einen Treffer kaputt, rutscht dann konsequenterweise beim Schuss aus und landet schmerzhaft auf dem Arsch. Und dann? Alles von vorne. Bis der Arsch durch all die Bruchlandungen in sämtlichen Regenbogenfarben schillert. Der Grübler macht sich so viele Gedanken und Sorgen, dass man glauben könnte, er hätte „I’m So Worried“ geschrieben, wenn Monty Python das nicht nachweislich schon vor Jahrzehnten für ihn erledigt hätten. Und die meinten das gewohnt unernst. Das könnte dem Grübler nicht passieren. Der würde sich tatsächlich auch noch Gedanken über das Gepäckabfertigungssystem am Flughafen Heathrow machen, wenn ich ihn nicht wenigstens in dieser Hinsicht noch etwas unter Kontrolle hätte. Und das ist kein Scherz.

 

Der Macher ist da ganz anders drauf. Er ist ebenfalls alles andere als auf den Kopf gefallen, ist aber vor allem mit einem geradezu unerschütterlichen Selbstbewusstsein gesegnet, das für den einen oder anderen Betrachter teils sogar schon arrogant wirkt. Selbstsicher? Ja. Arrogant? Nein, der Macher kennt seine Macken und gibt diese auch offen zu. Aber er lässt sich von ihnen nicht davon abhalten, lauter, frecher und mutiger als der Grübler zu sein. Er packt an und macht, wo der Grübler zögert. Er provoziert gern. Oft polarisiert er auch. Er ist oft hitzig, er ist auf viele Dinge stinkwütend und lässt das auch gerne raushängen.

Der Macher weiß, dass man es nicht allen Recht machen kann, hat dies als Tatsache des Lebens akzeptiert und versucht es deswegen auch gar nicht erst krampfhaft. Das findet er befreiend. Für den Macher geht Rückgrat über das Bedürfnis, seine komplette Umwelt immer und unter allen Umständen zufriedenstellen zu wollen, und wenn der Macher beim Elfmeter auf den Arsch fällt – was durchaus öfter mal vorkommt – bricht nicht gleich die Welt zusammen. Aufstehen, kurz schütteln, und der nächste sitzt. Und wenn nicht, dann halt der nächste. Weitermachen. Immer weitermachen. Eier. Wir brauchen Eier.

 

Das liest sich so, als wäre es ganz einfach. Der Macher hat die klar überlegenen Fähigkeiten. Der ist schmerzfrei und kann sich durchsetzen! Der Grübler sollte, wenn er schon unkündbar ist, in der Mental-WG bestenfalls noch geduldet werden, aber der Macher sollte alle Rechte in der Hausgemeinschaft bekommen! Und zwar dauerhaft!

Leider muss ich da etwas einschränken: der Macher prescht manchmal einfach zu rücksichtslos nach vorne. Er ist oftmals krankhaft egozentrisch und ist zwar im Gegensatz zum Grübler immun gegen Verkrampfungen und Handlungsunfähigkeit, übertreibt es aber oft mit seiner „My way or the highway“-Attitüde. Der Macher verliert dann und wann seine durchaus vorhandene Fähigkeit zur Empathie und poltert ohne Rücksicht auf Verluste nicht nur gegen Feind, sondern dummerweise auch gegen Freund. Wo das Florett angebracht wäre, benutzt er den Vorschlaghammer – oder gleich die Abrissbirne. Manchmal fehlt ihm einfach der Sinn dafür, zum richtigen Zeitpunkt auf die Bremse zu treten. Diese Fähigkeit wiederum hat der Grübler, er benutzt sie aber seinerseits zu ausgiebig.

Nun könnte man argumentieren, dass sich die beiden Herrschaften doch eigentlich ganz gut ergänzen müssten. Wo der Grübler zu zögerlich ist, tritt der Macher auf den Plan, und wo der Macher zu impulsiv und unbedacht nach vorne prescht, bringt ihn der Grübler zum besonnenen Handeln. Anstatt sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen, sollten die beiden sich austauschen. Zusammenarbeiten. Ihre Stärken zusammenlegen. In der Theorie wäre das eine gute Voraussetzung für inneres Gleichgewicht, fürs entspannt sein. Für den Hausfrieden in der Kopf-WG. Leichtes Spiel für mich, den Vermieter.

In der Praxis zeigen sich Grübler und Macher speziell in den letzten Monaten allerdings ziemlich unkooperativ. Egal, was ich in der Rolle des Vermieters und Vermittlers auch anstelle, ich kann die beiden anscheinend nicht mehr dazu bewegen, zusammenzuarbeiten. Oder sie dazu bringen, mit mir auf die Piste zu gehen, so wie früher mal, als gut eingespieltes Team. Wenn wir schon nicht 24 Stunden am Tag zusammen verbringen wollen, könnten wir doch wenigstens mal gemeinsam zum Fußball gehen. Oder in die Kneipe. Oder zur Arbeit. Oder wir könnten bei einem Date einfach mal wirkungsvoll zusammenarbeiten. Jeder könnte seine Fähigkeiten einbringen, und alle wären zufrieden. Aber Pustekuchen.

Die Herren Untermieter kochen lieber ihr eigenes Süppchen und kehren nur noch ihre jeweils unangenehmsten Seiten raus. Und ich, ihr Vermieter, muss es ausbaden.

Der Macher ist sich neuerdings für viele scheinbar niedere Aufgaben zu schade und lehnt sich gerne mal im Ohrensessel zurück, bis er zwangsläufig seinen Hintern hochbekommen muss, weil es ohne ihn absolut nicht geht. Wenn er dann aber sein Werk vollbracht hat, macht er sich ’ne Dose Feierabendbier auf und lässt sich wieder in seinen Sessel fallen. Wie eine Art Batman auf Kurzarbeit, der nur dann in sein Kostüm schlüpft und seiner Mission nachgeht, wenn es wirklich gar keine andere Lösung mehr gibt, der aber ansonsten in seiner Bathöhle hockt und darauf wartet, dass irgendwann wieder eine wirklich spektakuläre Rettungsmission ansteht, die seiner wertvollen Aufmerksamkeit auch wirklich würdig ist.

Der Grübler ist derzeit oft mächtig schlecht auf den Macher zu sprechen, weil letzteres Arschloch ja ruhig öfter mal im Dienste der Wohngemeinschaft mit anpacken könnte, anstatt die meiste Zeit über zu meckern und immer nur die Sahnemomente des Lebens abzuschöpfen. Was ja irgendwo eine verständliche Haltung seitens des Grüblers ist. Aber oft versucht der Grübler auf diese Weise mehr schlecht als recht zu übertünchen, dass es sich öfter mal die eine oder andere Scheibe vom Macher abschneiden sollte, anstatt in Selbstmitleid und haltloses Gejammer zu verfallen.

In den selten gewordenen Momenten, in denen die beiden dann doch mal auf dem Kopf-WG-Flur oder in der Gemeinschafts-Gedankenküche zusammentreffen, herrscht kein produktives Miteinander, sondern meist offener Kriegszustand. Anstatt zu kooperieren, versuchen beide verzweifelt die Oberhand zu gewinnen – und das resultiert keinesfalls immer in einem klaren Sieg für den pragmatischer veranlagten, tobenden, schnaubenden Macher. Denn der Grübler ist durchaus raffiniert, wenn er sich bedroht fühlt, und schlägt auf subtile, aber sehr wirkungsvolle Art zurück: er verzögert, blockiert oder bremst einfach alles. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzungen ist nur allzu oft beklagenswert – wenn es überhaupt zu einem greifbaren Ergebnis kommt.

Und wo bleibt da der Hausherr? Wo bleibe ich? Fakt ist, dass ich die beiden Extremisten als Teil der Kopf-WG akzeptieren muss. Wie gesagt: unkündbar. Und sie haben ja, wie schon gesagt, ihre Qualitäten, auf die ich auch nicht verzichten möchte. Aber die Allüren der beiden Herren gehen mir zusehends an die Substanz. Sie scheinen beide gleichermaßen uneinsichtig und unversöhnlich zu sein. Und scheinen immer weniger Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie ihren Vermieter, bzw. sowohl dessen inneres Wohlbefinden als auch seine Aussendarstellung mit ihrem mietvertragswidrigen Benehmen in fragwürdiges Licht rücken.

Das muss ein Ende haben. Ich bin der Hausherr. Ich bin der Chef. Ich sitze immer noch am längeren Hebel. Vielleicht sollte ich ihn endlich mal benutzen. Ohne dass mich der Grübler mit seinen Bedenken volljammert oder der Macher mir das Ding kurzerhand sabotiert.

Wenn wir nämlich so weitermachen wie zuletzt, wird die gemeinsam genutzte Immobilie bald dermaßen verwohnt sein, dass sie womöglich noch baufällig wird.

Soweit der Stand der Dinge. Die Frage ist, was fange ich mit dem Ergebnis dieser Analyse an?

Eigentlich ist dies jetzt gerade ein Moment, in dem Grübler und Macher gewohnheitsmäßig aus ihren WG-Zimmern kommen und einen Höllenaufstand anzetteln. Aber es bleibt ruhig. Ich habe endlich mal ein Machtwort gesprochen und deutlich gesagt, dass beide sich einfach mal für ’nen Moment verziehen und vor allem die Fresse halten sollen, weil mir die Situation unfassbar auf den Sack geht. Seltsamerweise hat es funktioniert. Diese Art der Ansprache verstehen sie anscheinend. Ich kann ungehindert weitertippen. Gut. Offenbar besitze ich noch etwas Rest-Autorität.

Wir – der Grübler, der Macher und ich – waren mal ein Team. Wir waren eine Einheit. Ein verschworener Haufen. Und ein ziemlich effizienter noch dazu. Zu erklären, was uns auf dem gemeinsamen Weg passiert ist, das dazu geführt hat, dass wir uns sozusagen getrennt haben und zur Zeit nur noch eine mehr oder minder zerstrittene Zweck-WG bilden, in der jeder seinen Egoismen nachgeht, anstatt mit den anderen an einem Strang zu ziehen, würde Bücher füllen. Das lasse ich lieber. Will keiner lesen. Soll auch keiner.

Viel wichtiger ist, dass wir drei uns mal schleunigst an einen Tisch setzen. Und unter Männern darüber quatschen, wie wir den Karren aus dem Dreck ziehen können. Wie wir wieder eine Einheit bilden können.

Mir ist natürlich klar, der Grübler, der Macher und ich – wir sind im Grunde eins. Bestandteile ein und derselben Persönlichkeit, die aber, aus welchen Gründen auch immer, zwar unter dem selben Dach hausen, aber zu oft getrennte Wege gehen. Das Problem ist: wenn sie in separate, mentale Ich-AGs zerlegt wurde, die zeitweise unkontrolliert ihren eigenen Film fahren und gegeneinander arbeiten, bleibt von einer vormals irgendwie greifbaren, ausgeprägten Persönlichkeit praktisch nichts mehr übrig.

Deshalb: Schluss mit dem Mist! Die ewig junge Frage „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ hat mich zuletzt oft genug um den Schlaf gebracht. Ich kann sie nicht mehr hören. Ich will sie auch nicht mehr hören. Ich will sie beantworten. Gerne auch im Team.

Es wird allerhöchste Zeit, dass wir drei uns wieder zusammenraufen.

Hey, ihr beiden Untermieter! Antreten! Raus aus dem Schmollwinkel! Wir haben was dringendes zu besprechen!

Anm. d. Verf.: wie ich gerade zufrieden feststelle, habe ich tatsächlich einen Blog-Beitrag zu Ende gebracht. Und zum guten Schluss die beiden Streithähne aus meinem Oberstübchen rigoros zum überfälligen Rapport bestellt. Klingt irgendwie nach einer relativ gesunden Dosis sowohl Grübler als auch Macher. Ist doch schon mal ein Anfang. :-)

Sep 132015
 

mann_ueber_wort_arne_h_avatar_300Moin, Mahlzeit, guten Abend an alle, die hier hineingestolpert sind!

Worum geht’s hier?

„Mann über Wort“ ist mein ganz persönliches Ventil für ebenso persönliches Gedankengut aller Art. Wenn ich Gedanken, Meinungen und Erzählungen in Schriftform bringe, artet das manchmal in wahre Textwüsten aus. Ich habe irgendwann angefangen, dieses Phänomen scherzhaft als „Schreibdurchfall“ zu bezeichnen. „Mann über Wort“ dient von heute an quasi als Endlager für meine Schreibdurchfälle.

Alle hier von meiner Wenigkeit geäußerten Meinungen, aufgestellten Thesen oder vertretenen Ansichten sind einzig und allein meine eigenen und persönlichen. Subjektivität ist hier kein Versehen, sondern Absicht. Es ist zudem mehr als nur wahrscheinlich, dass der eine oder andere zukünftige Beitrag den Bereich „Satire“ mehr als nur streifen wird. Es wird hier also mal mehr, mal weniger ernsthaft zugehen.

Ich zwinge niemanden, meinen Kladderadatsch zu lesen. Ich schreibe mir die Inhalte des Blogs quasi von der Seele, weil ich Bock darauf habe. Ich lege es nicht auf Originalitäts-, Literatur-, Journalismus- oder Webkulturpreise an. Das geht mir alles links und rechts am Sitzfleisch vorbei. „Mann über Wort“ ist schlicht und ergreifend mein – und ich zitiere hier liebend gern den Kollegen harzzach vom Senior Gamer-Blog – „Auskotzbottich“ für all das Zeug, das mir durch den Schädel geht, mein Herz in Aufruhr versetzt oder mir auf der Seele brennt. Im Guten wie im Schlechten.

Wer bei der Lektüre feststellen sollte, dass er das hier Niedergeschriebene ansprechend findet, aus welchen Gründen auch immer, ist natürlich herzlichst willkommen und darf auch gerne per Kommentar seinen Senf dazu geben und möglicherweise sogar Diskussionen über das Gelesene in Gang bringen. Kurz und gut: Feedback wäre schön, ist aber kein Muss.

Ich nehme mir hier übrigens nicht nur die Freiheit der unverblümten Meinungs- und Gedankenäußerung, sondern auch jene, mir von nichts und niemandem ein Zeichenlimit setzen zu lassen, im Sinne von „zu lang“, „zu ausschweifend“ oder „komm‘ mal zum Punkt“. Schreibdurchfälle können kurz und heftig oder sehr ausufernd sein. Wat kütt, dat kütt.

Wir sind hier schließlich nicht bei WhatsApp und auch nicht bei Fratzenbuch. 6987 Likes für „Heute Paady Alda!“ sind mir völlig wumpe. Längere Ausführungen in Schriftform werden ja vielerorts oft als störend empfunden, weil sie in der vielzitierten heutigen „schnelllebigen Zeit“ fehl am Platze sind. Hier, in meinem persönlichen Revier, kann mich die schnelllebige Zeit allerdings mal vornehm am Hobel blasen. 😉 Und wer die Aufmerksamkeitsspanne eines Wellensittichs hat, ist hier nicht nur falsch, sondern hat diesen Browser-Tab sowieso schon lange geschlossen.

Wie der geneigte Besucher möglicherweise schon bemerkt hat, gibt es derzeit sieben Kategorien (in WordPress-Sprech) bzw. Themenbereiche, in denen ich in eher unregelmäßigen Abständen posten werde. Ihr Kreativen da draußen wisst ja: die Muse küsst manchmal nicht gerne und ist im Allgemeinen ein ziemlich launisches Miststück. 😉 Die jeweilige Kategorie der Posts ist durch ein individuelles Logo immer halbwegs klar zu erkennen.

Da mich der technische Teil des Blogs bzw. der Website neben vielen anderen Dingen in den letzten Tagen ordentlich auf Trab gehalten hat, gibt es noch nicht in jeder Kategorie gehaltvollen Lesestoff, aber mindestens jeweils einen Eröffnungs-Post, der klarmacht, wohin die Reise in der jeweiligen Kategorie gehen wird/soll.

Jetzt, wo ich mich auf die Inhalte konzentrieren kann, sollten sich die einzelnen Kategorien aber in den nächsten Tagen und Wochen langsam füllen.

Diejenigen unter euch, die mich maßgeblich zum Bloggen getrieben haben, da sie meine Ausführungen zum musikalischen Thema „Metal“ auf Fratzenbuch verfolgt haben, finden schon heute neben den – übrigens größtenteils überarbeiteten und erweiterten – „alten“ Artikeln aus meinem FB-Profil bereits zwei neue Beiträge. Wenn der heutige Sonntag halbwegs gut zu mir ist, kommt noch im Laufe des Tages ein dritter hinzu.

Auch mein TV-Selbstversuch vom Juli, in dessen Rahmen ich mir gleich zwei RTL-Arschbomben in Folge antat, hat übrigens seinen Weg hierher gefunden.

An die Mobil-Leser: „Nimmste quer, haste mehr“ dürfte auch in Bezug auf diesen Blog ein hilfreicher Tipp sein. Ein ausreichend großes Display vorausgesetzt, habt ihr im Querformat auch die Navigation im rechten Sidebar zur Verfügung, so wie das Volk an den Rechnern. Bei zu schmalen Displays bzw. Hochformat findet ihr die Sidebars am unteren Seitenrand. Unter „Themen“ in der Kurznavi oben auf der Seite erscheint durch Tippen ein Dropdown-Menu, das euch ebenfalls zu den verschiedenen Kategorien führt. Ach, was mache ich eigentlich für eine Welle, ihr werdet euch schon zurechtfinden. 😉

Wer gleich mal reinspringen will: unten klicken oder tatschen (die Links führen zu den jeweiligen Eröffnungs-Posts).

Viel Spaß!

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Sep 082015
 

mann_ueber_wort_metal_iconFakt: Ich liebe diese verdammte Musik.

Diesmal wird es ziemlich persönlich… vorab: ich bin kein unkritischer Metalhead. Es gibt einiges am Metal, das ich nicht besonders schätze. Das will ich gar nicht leugnen, und kann es auch nicht. Es gibt z.B. das eine oder andere Subgenre, mit dem ich nichts oder nicht viel anfangen kann. Es gibt diverse Auswüchse, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, die ich nicht gutheiße. Es gibt sogar Aspekte, die ich albern bis peinlich finde.

Was aber hat mich dazu gebracht, diese Musik trotzdem auch nach drei Jahrzehnten immer noch zu lieben? Überraschung: die Musik an sich. Und ihre Wirkung auf mich. Auf der Gefühlsebene. Vor allem anderen, was noch mit hineinspielt.

Musik muss mich zuallererst treffen. Sprich: sie muss Emotionen in mir wecken. Idealerweise hilft sie mir auch, mit meinen Emotionen umzugehen, sie zu verarbeiten, zu reflektieren. Das ist der ganz entscheidende Punkt: die Gefühlsebene. Ich muss Musik FÜHLEN können. Ist das nicht der Fall, prallt sie einfach an mir ab oder rauscht wirkungslos an mir vorbei. Dann regt sich nichts. Kein Körperteil zuckt, nix, nada, nothing.

Trifft Musik mich allerdings, kann sie eine Macht sein, eine positive, teilweise sogar regelrecht heilsame Kraft. Für mich hat dies praktisch ein ganzes Leben lang immer und immer wieder der Metal bewirkt.

Und bevor die Klischeekiste geöffnet wird: Metal ist nicht nur Aggression und Frust. Das natürlich auch. Aber er ist dank seiner Bandbreite komplexer, vielschichtiger in Bezug auf das Gefühlsspektrum, das er transportieren kann. Im Falle von Metal besteht das Transportmittel eben zum Großteil (aber eben nicht ausschließlich) aus lauten, verzerrten Gitarren – was ihm eine grundsätzliche Energie, Kraft und Wucht verleiht. Auf dieser Basis kann Metal den Hörer die unterschiedlichsten Dinge spüren lassen:

So z.b. das Kämpferische, Trotzige eines „Bulldozer“ (Machine Head). Das hymnenhaft-erhabene eines „Fear Of The Dark“ (Iron Maiden). Die manische Wut eines „Surfacing“ (Slipknot). Das fast schon kindlich fröhliche „Kopf hoch“ eines „I’m Alive“ (Helloween). Die pure Wucht eines „Walk“ (Pantera). Das „gemeinsam sind wir stark“ eines „In Union We Stand“ (Overkill). Mentalen Urlaub von der Realität, den ein „Somewhere Far Beyond“ (Blind Guardian) ermöglicht. Die Verzweiflung, die ein „Bother“ (Stone Sour) ausdrückt. Oder das Tröstende eines „Take The Time“ (Dream Theater).

All diese unterschiedlichen emotionalen Zustände, diese Stimmungen, und noch viele mehr, transportiert der Metal. Mitten in mein Herz und in meinen Kopf.

Danke, Metal. Du hast viele eigentlich unerträgliche Dinge in meinem Leben erträglich gemacht. Weil du mir geholfen hast zu verarbeiten, zu reflektieren – und zu überwinden. Und – und das darf keinesfalls ausgelassen werden – weil du auch stets mit den passenden Klängen zur Stelle warst, wenn es etwas zu feiern gab. In guten wie in schlechten Zeiten also.

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Kurzer Einwurf: wie schon erwähnt, bin ich kein „purer“ Metalhead (mehr). Auch andere Spielarten der Rockmusik wecken starke Emotionen in mir – sonst würden sie schließlich an mir abprallen oder an mir vorbeirauschen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Aber hier geht es primär um Metal, und diese Musik sorgt schon länger als jede andere für einen nicht unbeträchtlichen Teil meines persönlichen Wohlbefindens. Das nur mal zwischendurch.

Ich stelle übrigens immer wieder fest, dass „unrockbare“ Menschen enorme Schwierigkeiten haben, nachzuvollziehen, dass Musik, die nicht auf hochglanzpoliertem Tralala basiert oder sich nicht rein auf ihre Tanzbarkeit verlässt, Emotionen wecken kann. Es gibt viele Menschen, denen ich begegne und mit denen ich mich über Musik unterhalte, die unter „durch Musik ausgelöste Emotion“ offenbar ausschliesslich das imaginäre Herumschwirren ebenso imaginärer rosa Herzchen verstehen. Sprich: die nicht nachvollziehen können, dass andere Menschen Musik als Ventil nutzen, teils sogar brauchen, um mit ihrer etwas komplexeren Gefühlswelt besser zurechtzukommen.

Das will ich niemandem zum Vorwurf machen. Ich kann es sogar verstehen, wenn Nicht-Metaller beim Hören der oben genannten Songs mit dem Kopf schütteln und konstatieren, dass das für sie „alles irgendwie gleich aggro“ sei und sie deshalb die Finger davon lassen. Ich ticke aber nun mal nicht so. Meine Wahrnehmung ist da anders gestrickt.

Diese „andere“ Wahrnehmung und das daraus resultierende „andere“ Empfinden von Musik unterscheidet mich vom unrockbaren Teil der Weltbevölkerung. Und anderen Metalheads und Rock-Hörern geht es zweifellos ähnlich – was uns empfänglich für laute, verzerrte Gitarren macht. Ich bin nicht immer dankbar fürs „anders sein“… aber wenn ich mal alles seit dem ersten Konsum einer Iron Maiden-Scheibe so Revue passieren lasse, muss ich sagen: in diesem Fall schon. :-)

Soviel zur sehr persönlichen, emotionalen Seite. Und was ist mit dem Kopf? Und vielleicht ein wenig Musiktheorie? Siehe nächsten Post („Doch, es ist Kunst.“).