Aug 192016
 

mann_ueber_wort_metal_icon„Cause I’m just a teenage dirt bag, baby
Yeah I’m just a teenage dirt bag, baby
Listen to Iron Maiden maybe, with me“

Ja, ja, dieser Song der inzwischen – im Gegensatz zu Iron Maiden – nicht mehr sonderlich populären Band Wheatus.

Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Song. Vermutlich, weil er – so mein Empfinden – auch genauso geschrieben wurde, aus einem zwiespältigen Gefühl heraus. Als ob sich der Wheatus-Frontmann Brandon B. Brown auf der einen Seite über sein jüngeres „Dirtbag“-Ich lustig macht, und auf der anderen Seite auch ein wenig Wehmut durchklingen lässt ob der alten Zeiten.

Auf dem Weg zum Rock im Revier-Festival in der Dortmunder Westfalenhalle, am 27.05.2016 (ich hatte die Karte zu 99,9% gekauft, um endlich noch mal – tätää! –  Iron Maiden zu sehen, große Helden meiner eigenen „Teenage Dirtbag“-Jugend) hatte ich diesen Song ständig im Kopf. Ärgerlich, eigentlich, wo ich doch eher Bedarf daran gehabt hätte, die eine oder andere Nummer vom neuen Maiden-Album „The Book Of Souls“ tiefer in meinen Hirnwindungen zu verankern.

Es half nichts, das schräge Organ von Brandon B. Brown hallte durch mein Oberstübchen. Und damit Erinnerungen an die Zeit, als ich aufgrund meines Musikgeschmacks, der ständig getragenen Maiden-, Megadeth-,  Slayer- etc.-Shirts, der langen Haare, der Ohrringe und jeder nur erdenklichen Abweichung von der äußerlichen „Norm“ gedisst und gemobbt wurde.

Was mich allerdings in keinster Weise von „meiner“ Musik abbringen konnte. Im Gegenteil. Mein ganz persönliches tägliches Teenage-Drama weckte in mir stets eher den Eindruck, dass ich durchaus richtig damit lag, mich den ganzen Dissern und Mobbern und zukünftigen Stützen unserer Leistungsgesellschaft zu verweigern. Was sollte ich von Menschen halten, denen Oberflächlichkeiten offenbar zu einem vernichtenden Urteilsspruch reichten und die Dinge wie einen gegen den Strich gebürsteten Musikgeschmack zum Anlass nahmen, andere Menschen zu diskriminieren, zu denunzieren und ihnen das Leben gezielt zu erschweren?

Den Kern dieses Gefühls habe ich nie verloren. Das stellte ich wieder mal fest, als ich gen Dortmund fuhr. Maiden gucken. Da saß ich also mit meinem „Metallbruder“ Basti im Auto, mit meinen 43 Jahren, nach knapp 30 Jahren des Konsums und auch Schaffens harter Rockmusik, immer noch bzw. wieder im Maiden-Shirt, und spürte immer noch die „Teenage Dirtbag“ in mir. Und ich fand es null komma null schlimm oder bedenklich. Some feelings never die. Und manchmal ist das auch gut so. Es fühlte sich richtig an.

Was andere, konservativere Altersgenossen darüber denken? Bringt mich ungefähr so zum „Umdenken“ bzw. Anpassen wie vor 30 Jahren. Nämlich gar nicht. Sie verstehen es nicht. Sie werden es auch nie verstehen. Das kann man ihnen noch nicht mal vorwerfen. Befremdlich wirkt halt oft, wie viele eben jener „normalen“ Menschen sich in den sozialen Medien als Verfechter von Toleranz, Verständnis und Nächstenliebe gerieren, dann aber schon beim Anblick eines nicht mehr ganz so jungen Menschen im „Number Of The Beast“-Shirt all diese Tugenden innerhalb einer Nanosekunde vergessen. Wenn das für viele schon eine unüberwindliche Hürde darstellt, mache ich mir ernsthafte Sorgen um die angestrebte Integration anderer Kulturen. Du willst Bigotterie und Intoleranz am eigenen Leib erleben? Sei über 40, meinetwegen auch über 30 und stehe dazu, dass du Metal und Rockmusik allgemein liebst und auch in gewisser Weise lebst.

Ich weiß – ich sollte da nicht verallgemeinern. Ich will nicht in striktes „wir hier“ und „die da“ spalten. Wäre auch sehr engstirnig und intolerant von mir. Es ist aber hochinteressant, wie negativ viele der „Normalen“ in unserem ach so aufgeklärten Zeitalter immer noch auf die – in Relation zum allgemeinen Weltgeschehen – eher unwichtige Tatsache reagieren können, dass du mit „normaler“ Musik nichts anfangen kannst und eben immer noch ein wenig „Teenage Dirtbag“ bist. Es soll mir egal sein. Es wird mir wohl bis ins Grab einfach nur widerstreben, mir von der „Masse“ diktieren zu lassen, was ich zu lieben habe, und in welchem Maße. Ich lasse euch eures, lasst mir bitte einfach meins. Sollte doch nicht so schwierig sein, oder?

Vielleicht sollte ich mir aber auch Visitenkarten drucken lassen, die meinem infantilen, von Rockmusik zerfressenen, aufmüpfigen Geist entsprechen, für den Fall, dass wieder mal fruchtlose Diskussionen drohen:

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Will ich aber eigentlich nicht. Ich möchte einfach nur an dem Spaß haben dürfen, was nach so langer Zeit inzwischen einfach Teil meiner DNA und unabänderlich ist, ohne dafür diskriminiert zu werden. So wie die „Normalen“ auch.

Oh Mann, all diese Gedankengänge drängten sich auf, weil ich „Teenage Dirtbag“ von Wheatus für mich persönlich überinterpretierte! Schluss damit! Maiden! Maiden! Maiden!

All die trüben Gedanken waren auch ruckzuck vergessen, als wir an der Halle ankamen. Das Wetter war prächtig, man hatte vor der Halle für Biergarten-Atmosphäre gesorgt. Was zum unzähligsten Male auffiel: von der äußerst entspannten, friedlichen Atmosphäre unter den Metalheads vor wie auch in der Halle kann sich so manches Volksfest der sogenannten „Normalen“ gerne mal eine dicke Scheibe abschneiden. Um mal ein wenig des Teufels Advokat zu spielen: „Die Wahrscheinlichkeit, auf dem Münchner Oktoberfest oder beim Feuerwehrfest in Winsen an der Luhe grundlos von volltrunkenen Honks die Fresse poliert zu bekommen, ist ungleich höher als bei einem Rockfestival.“ BÄM!

Schon gegen 17:30 Uhr durften wir die wunderbaren Ghost bewundern. Die „Nameless Ghouls“ um Papa Emeritus III. polarisieren heftig und werden speziell unter Diehard-Maiden-Fans nicht durchweg geliebt, hatten aber trotzdem eine Menge Leute aus der Sonne vor die Bühne in der Halle gelockt. Zurecht. Ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, dessen Wirkung man sich nur schwer entziehen kann. Ich hatte zu Beginn auch so meine liebe Not mit dem musikalischen Output von Ghost, aber: sie haben mich gekriegt. Und wenn man erst mal soweit überzeugt ist und das Ganze dann live sieht (sprich: das Gesamtkunstwerk), wird man quasi zwangsläufig zum Fan geweiht.

Mein Körper zuckte bereitwillig mit. Ja, ich nehme für mich in Anspruch, das Konzept von Ghost, so lachhaft es manch oberflächlichem Zuhörer/-schauer auch immer noch erscheinen mag, verstanden zu haben. Ich grinste während des gesamten Sets der Schweden zufrieden, auch aufgrund der Erkenntnis: es müssen für mich definitiv NICHT immer nur die alten Heroen sein. Ich bin immer noch offen für Neues. Obwohl ich mich natürlich auch diebisch auf die Hauptattraktion des Abends freute.

Fast Forward to the one and only Iron Maiden.

Maiden markierten meine Anfänge in der Welt der harten Rockmusik, wie ich ja schon an anderer Stelle mal betont habe.

Diese Band begleitet mich also seit etwas mehr als 30 Jahren durch die ups und downs meines Lebens. Logisch, dass da inzwischen eine besondere Art der Verbundenheit besteht.

Man kann Maiden natürlich vorwerfen – und das tut die sogenannte „Muckerpolizei“ gerne – sich seit zig Jahren auf bewährte Songwriting-Schablonen zu verlassen und „sich nicht weiterzuentwickeln“.

Da fehlt mir etwas, Freunde: der Respekt. Ich für meinen Teil kann einfach nur Respekt haben vor diesen Männern, inzwischen alle um die 60 Jahre alt, die über Jahrzehnte, durch alle Krisen, vorbei an allen musikalischen Trends, Modewellen und Strömungen, ihr Ding durchgezogen haben und weltweit Hallen und Stadien gefüllt haben, die Zeit ihres Bestehens eine der größten Rockbands des Planeten waren und auch immer noch sind. Diese Zähigkeit, diese Langlebigkeit, diese Zeitlosigkeit verdient zuallererst mal: allerhöchsten Respekt.

Sicher, die ganz großen Experimente blieben in der Karriere der Band außen vor. Allerdings waren der Einsatz von Gitarrensynthies auf „Somewhere In Time“ oder die seinerzeit für eine Metal-Band wie Maiden recht mutigen Keyboards auf „Seventh Son of a Seventh Son“ durchaus kleine Wagnisse.

Und mal ehrlich: was wollt ihr Muckerpolizisten bitte von Steve Harris & Co.? Reggae-Einlagen? Rap-Passagen? Das können andere besser, ganz einfach, weil sie es fühlen und auch rüberbringen können. Weil es zu ihnen passt. Oder hätten sich Maiden seinerzeit dem Nu Metal verschreiben sollen? Was hätte das für einen Aufschrei gegeben!

Nein, liebe Leute. Maiden sind Maiden und bleiben Maiden. Und das ist gut so. Und „The Book Of Souls“ ist auch ohne sogenannte Innovationen ein brettstarkes Album geworden, das ganz und gar nicht nach Frührente oder Bocklosigkeit klingt. Auch nicht nach Einfallslosigkeit. „Stilsicher“ trifft es doch auch ganz gut, oder?

Und live… live sind sie immer noch eine Macht. Das machte der Gig bei „Rock im Revier“ noch einmal ganz deutlich.

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Bruce Dickinson. Meine Fresse, dieser Bruce Dickinson. Inzwischen 58 Jahre alt. Gerade vom Zungenkrebs genesen. Und dann fegt er über die Bühne, über „seine“ Laufstege, wie eh und je und singt dazu noch großartig. Da kann ich nur noch auf die Knie gehen. Ich sehe diesen Mann vor mir auf der Bühne, wie erstmals vor 27 Jahren, und lächele verklärt. Die Haare sind (beiderseits) kürzer, das Gesicht (beiderseits) faltiger. Aber alles andere? Wie einst im Mai. Dieser Typ ist Musik. Dieser Typ ist Energie. Dieser Typ ist Rock’n’Roll. Die Tatsache, dass es solche Typen noch gibt, macht mich regelrecht glücklich.

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Steve Harris. Immer noch ein Irrsinns-Energiebündel. Die Fuß-auf-der-Monitorbox-Pose, während er den Bass ins Publikum „feuert“, zündet immer noch. Der Boss der Irons ist, man sehe in sein Gesicht, natürlich ebenfalls gealtert. Merkt man es seiner Performance an? Nein. Null. Bewundernswert.

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Janick Gers. Der Gitarrist hat sich vielleicht am meisten „verstrichen“, was den altersbedingten Knitterfaktor angeht. Aber schau sich einer diesen Typen an! 60 Jahre alt, und immer noch positiv semi-wahnsinnig, wie er da herumrennt und tänzelt und die Klampfe immer wieder in weitem Bogen durch die Luft schleudert. Pure Energie. Pure Liebe für die Musik und die Show. Da kullerten mir fast die Freudentränen übers Gesicht.

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Dave Murray und Adrian Smith. Speziell letzterer war ja immer schon eher ein entspannterer Vertreter seiner Zunft, trotzdem: der lebt das, der liebt das. Und Dave Murray, im feister gewordenen Gesicht immer noch dieses typische, schelmische Grinsen quer über die Pausbacken, immer noch zu 100% mit dem Herzen bei der Sache. Ich grinste jedesmal mit, wenn ich Murray ansah. Da ging mir das Herz auf.

Nicko McBrain, der Drummer und ewige Doublebass-Verweigerer. Hat immer noch einen der flinksten Füße im Business. Spielt übrigens immer barfuß. Sieht jetzt endgültig aus wie Gandalf ohne Bart, aber gerade das verleiht ihm noch mal eine Extraportion Würde. Wenn man ihm beim Spielen zusah und auch nur ein wenig Herz für Musik hat, musste man angesichts der Energie und Spielfreude, die er immer noch an den Tag legte, Gänsehaut bekommen. Und ich bekam welche.

Die Songauswahl? Gleich sechs Songs von „The Book of Souls“, was Alt-Fans vielleicht ein wenig zu viel war. Aber ein „If Eternity Should Fail“ oder ein „The Red And The Black“ mit seinem unwiderstehlichen „Whoaa-Whoaa-Whoaaaa“-Mitsingpart reihten sich meiner Meinung nach nahtlos ein in die Riege der Klassiker, die Maiden natürlich ebenfalls im Gepäck hatten. Da man laut Bruce Dickinson das Wort „old“ heutzutage allgemein ja nicht mehr benutzen darf und stattdessem von „Legacy“ spricht, gab es haufenweise „Legacy Songs“.

„The Trooper“. Der Song, mit dem für mich im Grunde alles anfing. „Powerslave“. „Hallowed Be Thy Name“. „Fear Of The Dark“. Glück, in Noten gegossen. Und auch wenn die Routiniers sich bei „Fear Of The Dark“ kurz einen groben Timingschnitzer leisteten, der bei der halben Muckerpolizei in der Halle Schnappatmung auslöste – hey, das ist LIVE!!!

Beim über 30 Jahre alten „Children Of The Damned“ vermutete Dickinson, dass „einige Anwesende noch gar nicht geboren waren, als dieser Song geschrieben wurde“. Die Videowände zeigten einen Kameraschwenk über die erste Reihe – die offenbar fast vollzählig noch nicht geboren war, als dieser Song geschrieben wurde. 🙂

Überhaupt: Alt-Rocker, mittelalte Rocker, die ihre Söhne und Töchter (ebenfalls schon im Maiden-Shirt) auf den Schultern trugen, Teenager – es war mal wieder offensichtlich, dass Rockmusik generationenübergreifend ist. Eine große Familie, sozusagen. Herrlich. Und wieder mal ein schönes Zeichen gegen die „Rock ist tot“-Theorien, die da draußen immer wieder mal kursieren.

Die Show abseits der Performance der Musiker an sich? Moderater, aber effektiver Pyro-Einsatz, klasse Lightshow, ständig wechselnde Backdrops, natürlich ein über die Bühne rennender Eddie und beim Song „Iron Maiden“ auch ein riesiger Eddie hinter dem Drumkit. So, wie man es als Maiden-Fan haben will.

Auch wenn es sich seltsam anhört: wenn das das letzte Maiden-Konzert in meinem Leben gewesen sein sollte, dann wäre es okay. Das war durchaus auch ein Hintergedanke, den ich hatte, als ich sofort und ohne zu zögern das Ticket für dieses Konzert gekauft habe: ich wollte Maiden auf jeden Fall noch einmal in Hochform erleben. Einen springenden, rennenden Dickinson ganz besonders. Mission accomplished. Meine Fresse, ich wäre JETZT gerne so fit wie diese Herrschaften es mit 60 offensichtlich sind! Da liegt noch etwas Arbeit vor mir…

Der Zugabenteil lässt mich noch mal deutlich spüren, dass die „Teenage Dirtbag“ in mir quicklebendig ist, und dass ich das völlig in Ordnung finde.

„Woe to you, oh earth and sea…“

„The Number Of The Beast“ ist nun wirklich keine Ballade. Kein Schmus, kein Feuerzeug-Song. Aber: ich habe schon beim Intro einen Kloß im Hals. Und Gänsehaut. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, aber ich spüre sie jetzt besonders deutlich, als ich grinsend dastehe und das Intro Wort für Wort mitspreche. Zum was-weiß-ich-wievielten Mal in meinem Leben. Ich schaue auf all die 15-, 16-jährigen Nachwuchs-Fans, die das ebenfalls tun. So wie ich in dem Alter. Und es fühlt sich so an, als würde ich mein eigenes, jüngeres Ich betrachten, als es auf dem ersten Maiden-Konzert seines Lebens vor Glück und ausgelebter Begeisterung fast explodierte. Ich stehe nun als „alter Sack“ immer noch bzw. zum x-ten Mal da und erlebe das mit.

„I have the fire! I have the force!“

Und es ist immer noch geil. Es ist immer noch Gänsehaut pur. Wie soll man jemandem, der dafür nicht den geringsten Sinn hat, klarmachen, warum einen in so einem Moment die Emotionen fast überwältigen? Wo dieses Gefühl der vereinten Rock-Familie herkommt, dass es so in keiner anderen Musikrichtung gibt? Ich versuche es gar nicht erst. Ich genieße es einfach. Wieder und wieder.

Wie die zweite Zugabe es knapp auf den Punkt bringt: „We’re blood brothers!“ ’nuff said.

Der Abschluss mit „Wasted Years“, einem Song, der seit Jahrzehnten immer wieder von mir in bestimmten Lebenslagen hervorgekramt wird und der immer noch dafür sorgt, dass ich mich besser fühle, verschafft mir nochmal wohlige Schauer der Erkenntnis: im Herzen bin ich für immer die einst von den inzwischen quasi vergessenen Wheatus besungene Teenage Dirtbag.

Und scheiß der Hund drauf – ich liebe es.

Jun 072016
 

mann_ueber_wort_midde_band_icon_300Eins ist mal klar – jedenfalls für mich (und ich darf das wohl so sagen, denn auch wenn es um eine sechsköpfige Band geht, ist das hier nach wie vor ein persönlicher Blog): man macht Musik, um auf der Bühne zu stehen. Um das Live-Erlebnis zu genießen, die Leute vor der Bühne bestmöglich zu unterhalten und daran selbst maximalen Spaß zu haben. Um die Musik an sich mit möglichst vielen Leuten zu feiern. Energieaustausch, gegenseitiges Hochschaukeln und so weiter.

Das gilt besonders dann, wenn man in einer Coverband spielt. Kreative Orgasmen durch Songwriting und epische Studiosessions, um die Früchte der eigenen Kunstfertigkeit zu verewigen, fallen für Coverbands ja nicht nur aus rechtlichen Gründen meist flach. Bleiben also „nur“ die Bühnenbretter. Wobei auf selbigen ja stets die Wahrheit liegt. Nix Autotune, nix „war daneben, aber wir basteln das zurecht“. Man ist der eigenen Tagesform, der Technik und zig anderen Faktoren praktisch ausgeliefert. Und man hat für alles nur einen Versuch. Hopp oder top. Ex oder Arschloch. Death or glory.

Das Geile daran: es wird nie langweilig. Mal ärgerst du dich über Begleitumstände (meist technischer oder organisatorischer Natur – und manchmal sowohl als auch), mal möchtest du vor Scham im Boden versinken, weil du ausgerechnet deinen Lieblingssong vor einer Menge von Leuten komplett versägt hast, obwohl du ihn schon drölfzig mal gespielt hast und du kein blutiger Anfänger bist. Und manchmal gibt es diese Gigs, von denen du tage- oder wochenlang positiv zehren kannst und die dir klarmachen, warum du dir das immer wieder antust und warum du trotz all der gequirlten Scheiße, die passieren kann, wenn du dich entscheidest, dich auf Bühnen herumzutreiben, einfach nicht damit aufhören willst. Weil du mal wieder die Essenz des Prinzips „Live-Musik“ zu schmecken bekommst. Die Essenz des Rock. Vergangenes Wochenende gab es wieder mal so ein Highlight. Und das alles Open Air.

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Wacköööön! Ach nee… WITTSTOOOOCK! 🙂

Dabei (und ab hier schweife ich mal für ein paar Absätze ein wenig vom eigentlichen Thema ab) legten sich an bewusstem Wochenausklang eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes dunkle Wolken über die Welt der unter freiem Himmel gespielte Mucke. Das derzeitige Unwetterproblem hatte natürlich auch den gerade gestarteten Freiluft-Festivalsommer fest im Griff. Der negative Höhepunkt: die Blitzeinschläge bei Rock am Ring. Mehr als 70 Verletzte, zwei Menschen mussten sogar reanimiert werden. Das Festival soff insgesamt quasi im Regen ab und versank im Matsch, für den Sonntag wurde dem Veranstalter von behördlicher Seite die Spielgenehmigung entzogen.

Und der übliche Automatismus des World Wide Web setzte ein: „man“ stellte prinzipiell in Frage, ob es von den Göttern gewollt und mit freiheitlich-demokratischen Grundprinzipien vereinbar ist, dass Menschen sich versammeln, um „draußen“ gespielter Musik zu lauschen. Es fand sich wieder irgendein Politker (dessen Name mir gerade mit voller Absicht entfallen ist), der nach einem „Frühwarnsystem“ verlangte – wie das immer reflexartig der Fall ist, wenn „was passiert“. Diesmal sollte es eines für Starkregen und Blitzeinschläge sein. Soso. Gibt’s das nicht schon unter dem beliebten Hashtag #Wettervorhersage? Und war es nicht so, dass dieses „Frühwarnsystem“ nicht zu 100% verlässlich sein KANN, weil Mutter Natur in Sachen Wetter eben oft launisch ist – und das exakte Vorhersagen von Blitzeinschlägen schlicht unmöglich ist, und es da bestenfalls eine Risikoeinschätzung geben kann, die auch von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten abhängt?

Ich will weder irgendetwas verharmlosen, noch will ich mich hier hämisch über die Verletzten von Rock am Ring äußern – absolut nicht! Schließlich befanden sich nicht wenige meiner persönlichen Freunde und Bekannten auf dem Festival. Zum Glück kamen sie alle genervt, aber unverletzt nach Hause. Und Verletzte, ob durch Naturgewalten oder anderweitig, sind speziell bei Veranstaltungen, die dem puren Vergnügen gewidmet sind, immer tragisch. Fakt ist, dass die Veranstalter der großen Open Airs zwar die Gegebenheiten hinsichtlich möglicher Gewitter mit Blitzeinwirkung sicher verbessern könnten und auch sollten. Aktuell ca. fünf Kilometer Fußweg von der Center Stage bis zum blitzsicheren Auto bei Rock am Ring z.B. sind definitiv zuviel.

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Rock am Ring 2016: desaströs, aber Grund für generelle Open-Air-Konzertverbote? Jetzt ist aber mal gut!

Aber nicht zuletzt aufgrund der begrenzten Berechenbarkeit von Wetter wird es nie einen hundertprozentigen Schutz vor solch höherer Gewalt geben. Traurig, aber wahr. Und jetzt, wie teilweise tatsächlich geschehen, nach Verboten von Open Air-Veranstaltungen zu schreien – DAS ist der blanke Hohn. Typisch deutscher Michel. Sorry.

Ich könnte z.B. sagen: „3.475 Verkehrstote im Jahr 2015 müssen in totalem Verbot von Kraftfahrzeugen enden!“ Oder?

Wie bitte, deutscher Michel? Das ist aber jetzt sowas von übertrieben, sagst du? Ist aber genau deine Denkweise. „Schwer lösbare Problematik? Na dann: Verbot! Entmündigung! Nein, die Leute sind generell zu doof, um eigenverantwortlich entscheiden zu können, ob sie bei Unwetterwarnung trotzdem zu einem Open Air-Konzert gehen! Und überhaupt, diese ganzen Asis da!“

Weißte was, Michel… leck‘ mich. Kreuzweise.

Den Verletzten von Rock am Ring dagegen wünsche ich an dieser Stelle nur das Beste und vor allem schnelle Genesung. Mit den möglichen Langzeitfolgen von Blitzschlägen ist nicht zu spaßen. Get well soon!

Jetzt aber weg von Rock am Ring, denn da werden wir mit Green Ink Machine voraussichtlich im weiteren Verlauf unserer beispiellosen Karriere nicht auftauchen – zumindest nicht auf der Bühne. 😉

Nein, unser Reiseziel am Wochenende war ein anderes. Wie das Schicksal es wollte, waren auch wir am vergangenen Samstag, für den für das Bergische Land die Wetter-Apokalypse mit Starkregen und Gewittern vorhergesagt wurde, für einen Open Air-Auftritt gebucht. Auf einem Festival, das eigentlich niemand kennt und das es demzufolge offiziell eigentlich gar nicht gibt.

Hä? Wie? Was?

Erklärung: vor etwas mehr als einem Jahr begegneten wir Fabian Wittner, Freddy Meissner und Bianca Sevenig von Rock’U, bzw., die drei stolperten mehr oder weniger auf dem Solinger Dürpelfest über uns, bei dem wir auf der Bühne am Bremsheyplatz zocken dürften. Da wir trotz Regen-Gig (wir haben da also Erfahrung!) beim Dürpel nicht ganz so schlecht und wir uns gegenseitig auch nicht gänzlich unsympathisch waren 😉 , wurden wir irgendwann in die Existenz eines speziellen Events eingeweiht, das eigentlich Fabians Geburtstagsparty darstellt.

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Als wir den Grundstein für die Teilnahme am Wittstock legten: Green Ink Machine am 31.05.2015 beim Solinger Dürpelfest. Seinerzeit noch ohne Tim – der schaute aber immerhin schon zu. 😉

Da Fabian, auch bekannt als Fabs, aber aus dem Topfschlagen- und Blinde Kuh-Alter doch deutlich herausgewachsen ist, ist aus dem Geburtstag ein Event mit ca. 300 zahlenden Gästen geworden, die für ihren Obulus nicht nur mit mehr als ausreichend Flüssigem, sondern auch und besonders mit Live-Gigs mehrerer Bands auf einer schicken Bühne versorgt werden, die auf einer ausladenden privaten Grünfläche steht. Für die Hungerbekämpfung ist natürlich ebenfalls gesorgt. Also ist alles da, was man braucht, um ein richtiges, kleines Open Air-Festival hinzulegen, das inzwischen schon seit mehreren Jahren stattfindet. Herr Fabian „Fabs“ Wittner taufte das ganze sinnigerweise auf den Namen „Wittstock“. Aus Diskretionsgründen werde ich die Location, in der das Ganze stattfindet, natürlich nicht verraten. Die Veranstaltung ist nach wie vor privat. Kult sollte am Ende des Tages auch Kult bleiben. Ihr müsst halt jemanden finden, der euch einweiht. So wie uns.

Dieses Jahr durften wir als eine von sieben Bands erstmals mit am Start sein. Wir waren noch etwas angepisst, weil wir zwei Wochen zuvor erneut beim Solinger Dürpelfest gebucht waren und kurzfristig absagen mussten. Bock auf Rock hatten wir also auf jeden Fall.

Die Unwetterwarnungen für das gesamte Wochenende und speziell den Tag X – Gewitter, Starkregen, allgemeine Apokalypse – dämpften ein wenig die Vorfreude. Auch wenn Fabs uns damit zu beruhigen versuchte, dass es bisher „beim Wittstock immer trocken“ war.

Aber, ganz ehrlich: mir ging das allgemeine Austauschen der Daten verschiedenster Wetter-Apps und Dienste (die sich scheinbar alle gegenseitig im Ausmalen des Katastrophenszenarios überbieten wollten) und all das Panik schieben irgendwann so sehr auf den Senkel, dass ich mir dachte: „Scheiß drauf! Wenn Unwetter, dann Pech. Wenn nicht, dann Rock!“ Ganz simpel.

Die vorbereitenden Maßnahmen der vereinten Wittstocker – Opfer-Biertrinken, um die Gunst Odins zu erringen, auf dass es beim Wittstock trocken bleiben möge – waren von Erfolg gekrönt. Odin statt Jesus? War in dem Fall eine gute Wahl.

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So sah es aus, als wir eintrudelten. Relaxed, aber feuchtfröhlich, gute Band auf der Bühne – so soll’s sein!

Es blieb zwar tatsächlich den ganzen Tag über trocken, entgegen allen Wetter-App-Orakeleien und Unwetter-Vorhersagen, aber der Rasen war von der vorhergehenden Regennacht noch ordentlich genässt, so dass der Matsch, den man von „echten“ Open Airs kennt, auch beim Wittstock nicht fehlte.

Das war aber nicht das, was mir persönlich als erstes auffiel, als wir am Ort des Geschehens eintrafen. Erstens: es war sehr gut besucht (laut Fabs war das Wittstock 2016 das bisher bestbesuchte). Zweitens: es herrschte eine verdammt angenehme Atmosphäre. Verflucht viele nette, offensichtlich rock-affine Leute. Good Rock’n’Roll Vibes. Drittens, und das war für uns als Band ja nicht ganz unwichtig: was von der schicken Bühne kam, klang gut.

Und dann war da noch was: der Duft. Bzw. der Duftmix. Düfte können ja bekanntermaßen so einiges in Menschen auslösen. Und bei mir war das beim ersten Herumstolpern auf dem Wittstock mal wieder der Fall.

Ich meine, ich weiß, dass es nicht jedermanns Sache ist, den typischen Festivalduft einzuatmen. Diese Mischung aus Bier, Schweiß, Zigarettenrauch, Bratwurst vom Grill und sich langsam in seine Bestandteile auflösendem, feuchtem Rasen (und anderen duftigen Komponenten, die nicht so klar definierbar sind und die den Festivalduft vom ordinären Grill-/Campingplatzduft unterscheiden). Bei mir löst diese Mischung dieses ganz bestimmte Gefühl aus, das man all jenen, die weder als Zuschauer noch als Musiker an solchen Veranstaltungen teilnehmen, einfach nicht erklären kann. Oder denen man zumindest nicht erklären kann, was daran so geil ist. Fest steht: wenn ich diesen Duft in der Nase habe, weiß ich – ich bin zu Hause. Ich bin da, wo gerockt wird. Auch nach dreißig Jahren passiver wie aktiver Teilnahme am Live-Rock-Zirkus ist dieses Gefühl immer noch da.

Und ich liebe es, Leute. Ich liebe es wie bekloppt.

Auch geil, wie routinierte Organisation dank jahrelanger Erfahrung das ganze Event sehr geschmeidig ablaufen ließ. Endcool fand ich den Backstageraum in der Gartenlaube, in der wir unsere Klamotten/Instrumente vorübergehend parken (und nach dem Gig erst mal auf Stühle sinken) konnten.

Vor unserem Gig hatten wir leider nicht viel Zeit, um uns umzusehen. Gerade genug Muße, um Fabian, Freddy und Bianca zu begrüßen, ein schnelles Bier, ’ne schnelle Wurst, dann zur Bühne und nur eine Viertelstunde, um vor dem Startschuss um- bzw. aufzubauen.

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War schon vom Startschuss an in Topform: the one and only Fabs!

Ich bleibe übrigens dabei: der Tag, an dem mir vor einem Auftritt nicht mehr die Düse geht, wird der Tag sein, an dem ich mit der Musik aufhöre. Glücklicherweise ging mir die Düse. Wie gesagt, der heilige, wenn auch schon etwas angeschlagene Rasen war verdammt gut gefüllt. Und außer den dynamischen Drei kannte uns im Grunde keiner der anwesenden Wittstocker. Ein Gefühl wie beim Debütantinnenball. Klar, mir war bewusst, dass wir mit dem, was wir da machen, auf so ein Event passen müssten wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer. Aber ohne ein bisschen Unsicherheit ist es irgendwie auch nicht richtig echt. 😉

Es gibt so eine bestimmte Art von Gig, die grundsätzlich geil ist: die Art, wo du dich bei den ersten Songs noch fragst, ob das wirklich hinhaut. Ob es ankommt. Und ob was zurückkommt. Und irgendwann bei Song Nr. 4 oder 5 klickt es. Und zwar mächtig. Und dann steppt der Bär. Und genau so war es beim Wittstock.

Einstieg wie desöfteren in letzter Zeit mit „Bulls On Parade“, dann „American Idiot“, dann „The Pretender“… lief gut. Und Matthes und ich konnten uns auf der Bühne tatsächlich hören, was keine Selbstverständlichkeit ist. Aber irgendwas fehlte noch. Es war gar nicht die Tatsache, dass in der Anfangsphase des Gigs irgendein Teil der Bühnentechnik zwischendurch öfter mal sehr laut und vernehmlich losbrummte und dröhnte. Es war was anderes, das noch bremste, zumindest habe ich das so empfunden. Als wären wir noch nicht richtig auf Betriebstemperatur, und die Leute vor der Bühne dementsprechend noch ein wenig skeptisch. Wie gesagt, fast niemand der Anwesenden hatte uns vor dem Gig schon mal live gesehen. Man muss sich halt jeden einzelnen erarbeiten, sozusagen.

Dann „Move“… da packten nicht nur mich bei den ersten Takten leichte Zweifel, ob die Nummer für diesen Abend die richtige Wahl war. Aber während des Songs wurde es langsam. Betriebstemperatur.

Dann „We’re not gonna take it“. Verdammte Axt, wenn du DIE Nummer versägst – also: wenn du die Leute nicht zum Mitsingen kriegst – kannst du eigentlich einpacken. Aber: Wittstock kann singen! Und wollte auch. \m/

Als nächste Nummer dann „Last Resort“ – und das war dann der endgültige Knackpunkt. Und ich glaube, das war beiderseits der Fall. Die sprichwörtliche Lampe fiel um – jetzt kam so richtig Bewegung in die Menge auf und rund um die immer größer werdende Matschgrube direkt vor der Bühne. Und holy fuck, der Rasen bekam noch richtig was auf die Zwölf!

Es ist schwer zu beschreiben, was einem da durch Kopf, Herz und Bauch schießt, wenn man sieht, wie die Leute vor der Bühne richtig steilgehen. Und dabei ist es komplett wumpe, ob man nun eigenes Songmaterial spielt oder covert (da ich beides gemacht habe bzw. noch mache, denke ich, kann ich es beurteilen, und Matthes, Anselm, Jan, Tim und Basti ebenso). Wenn du nicht gerade berufsmäßig jeden Abend vor einer verdammt partywilligen Menge rockst, stehst du da, staunst, freust dir den Allerwertesten ab und vergisst hier und da ein paar Basics. Aber du bist glücklich. Und wir waren, den Wittstockern sei Dank, an jenem Abend ganz eindeutig glücklich. 🙂

Nächste Nummer war „Take a Look Around“. Hammer! Was ich an dieser Nummer u.a. gefühlsmäßig so liebe: du kannst die Leute am Anfang locker einklatschen lassen, dann wird’s ziemlich tanzbar, und dann die Anspannung, die Vorfreude ab dem ersten „I know why you wanna hate me“, bis dann im Chorus der Topf vom Deckel fliegt und gepogt und gehüpft wird, bis der Arzt kommt.

Matthes hat spontan das immer wieder herrliche „Sit down and jump up“-Spielchen im Mittelteil eingebaut. Hat prima funktioniert, trotz Matsch. So fett, wenn beim „jump up“ in einem Moment dann sowohl vor als auch auf der Bühne so viel Energie freiwird. Geil. Einfach nur geil. Sex auf Toast ohne Penetration, sozusagen.

Matsch spritzte, Körper zuckten und flogen, und der arme Rasen muss das Ende seines Daseins sturzbesoffen erlebt haben, weil er mit gegenseitigen Bierduschen – Richtung Bühne und von der Bühne in die Menge – nochmal kräftig zwangsgetränkt wurde. Bier, Schweiß, Hartwurstmucke. Und eine fett abgehende Menge. Sah für Uneingeweihte teilweise sicher wüst aus und hat sicher den einen oder anderen blauen Fleck verursacht. Aber: es wurde nie gewalttätig oder aggressiv. Es war einfach das, was ein Konzert sein sollte. Ein gegenseitiges Hochschaukeln. Energie, die freigesetzt wird.

Oder, wie die Bay Area-Thrasher Exodus es in „Toxic Waltz“ einst so treffend formulierten: „Good friendly violent fun.“

Da hast du die Pipi in den Augen.

Und es ging munter so weiter bis zum Abschluss mit „Killing In The Name“. Direkt vor der Bühne war es inzwischen komplett matschig und schlammig. Die Wittstocker haben es sich nicht nehmen lassen, den Matsch wahlweise zu umgehen, zu ignorieren oder zu nutzen und uns weiter zu unterstützen. Das war großer Sport!!! Dafür, für solche Abende, für so ein Publikum, für dieses unbeschreibliche Live-Gefühl, macht man Musik, verdammte Hacke! 😉

Natürlich lief nicht alles ganz glatt. Verhacker hier, da nicht ganz richtig rein in den Song, dort nicht ganz richtig raus. LIVE-Musik halt.

Bei „Smooth Criminal“ z.b. blieb mir im Chorus komplett die doch so wichtige Kopfstimme weg, und Matthes musste den „Rehfräng“ alleine singen. Es kam einfach kein hoher Kiekser aus meiner Kehle, als es nötig war. Also musste ich es komplett bleibenlassen. Sah sicher doof aus, fühlte sich noch doofer an. Das sind dann so die Dinge, die mich auch an einem ansonsten perfekten Abend noch ganz kurz ein minimales Bisschen ärgern. Ganz abschalten kann ich das vermutlich nie.

Und Matthes hatte nach eigener Aussage den ganzen Tag über, also auch während des Gigs, mit Magen-/Darm-Faxen der übleren Sorte zu kämpfen und war deshalb in Sachen Bühnenaction ziemlich eingeschränkt. Und sah am Ende zwar zufrieden, aber auch irgendwie bleich aus. „Ausgerechnet bei so ’nem Premium-Gig so ’ne Scheiße!“, so mein Sangesbruder sinngemäß. Er hat’s durchgezogen. Respekt, Großer!

Gestört haben die Ecken und Kanten, glaube ich, niemanden. Die Stimmung war großartig. Vielleicht sind wir manchmal auch einfach noch etwas unkonzentriert, wenn’s vor der Bühne so abgeht. Unter’m Strich: alles scheißegal. Es war ein Gig, der einem auf der Bühne das Rockerherz ganz gewaltig höher schlagen lässt. Musikalisch nicht perfekt, aber vom Feeling her: einfach… nur… geil!!!

Was mich außerdem hat strahlen lassen, war, dass wir nach dem Gig noch ein wenig mitfeiern und die Wittstock-Atmosphäre aufsaugen konnten. Ich ärgere mich im Nachhinein tierisch darüber, dass wir nicht früher vor Ort waren, was leider logistisch/terminlich an dem Tag nicht drin war. Nächstes Jahr sind wir definitiv früher am Start! Also, ich auf jeden Fall. 😉 (Und Jan… du bringst demnächst bitte Bandzigaretten mit! Ich liebe diese Abende mit euch, aber ich kann sie mir bald nicht mehr leisten! 😉 )

Aber auch so kam der Wittstock-Vibe rüber. Klasse natürlich auch, streng durch die Bandbrille betrachtet, das zahlreich bekundete persönliche Feedback zum Gig. Darauf stehe ich – direktes, ehrliches Feedback, Auge in Auge. Wir sind alle froh und glücklich, dass es den Wittstockern offensichtlich so gut gefallen hat! 🙂

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So ruhig war es nicht immer, aber dafür immer friedlich. Ja, da gibt’s ’nen Unterschied. 😉

Doof irgendwie auch, dass wir außer Sixty Pounds Of Dynamite (direkt vor uns – fand ich bärenstark!) und Mike and the Waiters (direkt nach uns – große Bandbreite, Chapeau dafür – und „Angus Old“ rules! 😉 ) keine weiteren Bands sehen und hören konnten – aber das können wir dank vieler, vieler privater Videos schon jetzt zumindest teilweise nachholen.

Ach ja… und die Wetter-Apokalypse? Kam nicht. Danke, Odin. 😉 Erst ca. 10 Minuten vor Schluss des Gigs von Mike and the Waiters, also ganz am Ende des Festivals, fing es an zu regnen. Von „Starkregen“ konnte aber keine Rede sein, und die Kollegen konnten ihren Gig locker-flockig abschließen.

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Geile Atmo bei Mike and the Waiters.

Als ich schließlich gemeinsam mit Basti unsere restlichen Klamotten aus der Backstage-Laube holte und wir uns mitsamt dem Publikum vom leidgeprüften Acker (Rasen) machten, und die Leutchen sich langsam auf den Weg nach Hause oder zur Aftershow-Party in der RED Rockbar begaben, stellten wir erfreut fest, dass es überall nur zufriedene, ja glückliche Gesichter gab. Und nix war’s mit nachträglicher, alkoholinduzierter Randale. Kein Gepöbel, kein Zerlegen von Bistrotischen. Einfach nur eine große, beseelte Rock-Familie, die einen geilen Tag hinter sich hatte. So heftig es auch teilweise nicht nur während unseres eigenen Auftritts rundging (und das ist ja auch irgendwo Sinn und Zweck der Übung, oder? 😉 ) – wieder mal hat sich gezeigt, dass „die Rock-Leute“ deutlich besser sind als ihr oftmals immer noch nicht ganz optimaler Ruf beim deutschen Michel. Das finde ich immer wieder geil, das finde ich immer wieder bezeichnend.

Und auch das gehört zu der Essenz des Erlebnisses Live-Musik, die ich hier ja schon angesprochen habe. Dieses „hart, aber herzlich“, mit Betonung auf Letzterem, das ich so liebe. Und das ich so nirgendwo, in keiner anderen „Szene“, in dieser Form vorgefunden hätte. Ich bin froh, immer noch in diesem Zirkus aus Bier, Schweiß und Starkstrommucke zu sein. Ach was, froh… glücklich. Und Abende wie dieser sind es, die mir das immer wieder klar und deutlich machen.

Danke, Wittstock! Danke, Wittstock-Publikum – ihr seid der Oberhammer! Danke, Fabian, dass wir dabei sein durften! Danke an Bianca, Freddy und das gesamte Team! Dieses blendend organisierte, private und deshalb semi-geheime Open Air-Geburtstags-Wahnsinns-Party-Konzert-Event fängt die Essenz des Live-Rock’n’Roll (da isse wieder) absolut ein. Ein kleiner, aber dafür umso feinerer Gegenpol zu den Megamassen-Veranstaltungen auf der ganz großen Wiese. Wittstock ist gelebte, mit Herzblut umgesetzte Rock-Kultur. Von allen Beteiligten: Gastgeber/Veranstalter, Helfern, Bands und natürlich Gästen/Publikum. Das ist so selten geworden, dass ein solches Juwel gar nicht genug gewürdigt werden kann.

„Das ist live! Ihr wisst, das ist live! Ihr werdet nicht beschissen!“ – Farin Urlaub

Weiter so! Auf ein mindestens ebenso geiles Wittstock 2017!

Meine Fresse, wie ich diesen Scheiß liebe. Wie gottverdammt unsterblich ich diesen Scheiß liebe. 🙂

GIM_Danke_Wittstock

Sep 082015
 

mann_ueber_wort_midde_band_icon_300Spielste inner Band, kannste wat erleben.

Über die mal mehr, mal weniger glorreiche Vergangenheit, als ich bei Soultrip bzw. Noisegate das Mikro schwang, und die Erlebnisse mit halb-französisch nuschelnden Bühnentechnikern am Rande des Nervenzusammenbruchs, an kuriosen Orten vergessenen Instrumenten, fehlgeschlagenen Salti mit Gitarre oder grandiosen Auftritten als Salami im Hausflur könnt ihr euch in Kürze auf der Soultrip Memorial-Website amüsieren.

In „Midde Band“ geht’s ausschließlich um die Gegenwart und absehbare Zukunft, und die heißt Green Ink Machine.

Wann auch immer in meinem Bandleben mit meinen Rockbrüdern irgendetwas passiert, was einen Schreibdurchfall verursacht, wird dieser hier zu finden sein: ich denke da an Kuriositäten, Blicke hinter die meist gar nicht vorhandenen Kulissen oder ganz persönliche Betrachtungen von bandmäßigen Groß- und Kleinereignissen.

Warnhinweis: es kann durchaus vorkommen, dass die Beiträge in „Midde Band“ Muckerslang, Muckerhumor oder andere muckerspezifische Textelemente enthalten. Dies ist zu jeder Zeit und in jedem Fall volle und bewusst rücksichtslose Absicht. \m/