Sep 082015
 

mann_ueber_wort_metal_iconFakt: Ich liebe diese verdammte Musik.

Diesmal wird es ziemlich persönlich… vorab: ich bin kein unkritischer Metalhead. Es gibt einiges am Metal, das ich nicht besonders schätze. Das will ich gar nicht leugnen, und kann es auch nicht. Es gibt z.B. das eine oder andere Subgenre, mit dem ich nichts oder nicht viel anfangen kann. Es gibt diverse Auswüchse, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, die ich nicht gutheiße. Es gibt sogar Aspekte, die ich albern bis peinlich finde.

Was aber hat mich dazu gebracht, diese Musik trotzdem auch nach drei Jahrzehnten immer noch zu lieben? Überraschung: die Musik an sich. Und ihre Wirkung auf mich. Auf der Gefühlsebene. Vor allem anderen, was noch mit hineinspielt.

Musik muss mich zuallererst treffen. Sprich: sie muss Emotionen in mir wecken. Idealerweise hilft sie mir auch, mit meinen Emotionen umzugehen, sie zu verarbeiten, zu reflektieren. Das ist der ganz entscheidende Punkt: die Gefühlsebene. Ich muss Musik FÜHLEN können. Ist das nicht der Fall, prallt sie einfach an mir ab oder rauscht wirkungslos an mir vorbei. Dann regt sich nichts. Kein Körperteil zuckt, nix, nada, nothing.

Trifft Musik mich allerdings, kann sie eine Macht sein, eine positive, teilweise sogar regelrecht heilsame Kraft. Für mich hat dies praktisch ein ganzes Leben lang immer und immer wieder der Metal bewirkt.

Und bevor die Klischeekiste geöffnet wird: Metal ist nicht nur Aggression und Frust. Das natürlich auch. Aber er ist dank seiner Bandbreite komplexer, vielschichtiger in Bezug auf das Gefühlsspektrum, das er transportieren kann. Im Falle von Metal besteht das Transportmittel eben zum Großteil (aber eben nicht ausschließlich) aus lauten, verzerrten Gitarren – was ihm eine grundsätzliche Energie, Kraft und Wucht verleiht. Auf dieser Basis kann Metal den Hörer die unterschiedlichsten Dinge spüren lassen:

So z.b. das Kämpferische, Trotzige eines „Bulldozer“ (Machine Head). Das hymnenhaft-erhabene eines „Fear Of The Dark“ (Iron Maiden). Die manische Wut eines „Surfacing“ (Slipknot). Das fast schon kindlich fröhliche „Kopf hoch“ eines „I’m Alive“ (Helloween). Die pure Wucht eines „Walk“ (Pantera). Das „gemeinsam sind wir stark“ eines „In Union We Stand“ (Overkill). Mentalen Urlaub von der Realität, den ein „Somewhere Far Beyond“ (Blind Guardian) ermöglicht. Die Verzweiflung, die ein „Bother“ (Stone Sour) ausdrückt. Oder das Tröstende eines „Take The Time“ (Dream Theater).

All diese unterschiedlichen emotionalen Zustände, diese Stimmungen, und noch viele mehr, transportiert der Metal. Mitten in mein Herz und in meinen Kopf.

Danke, Metal. Du hast viele eigentlich unerträgliche Dinge in meinem Leben erträglich gemacht. Weil du mir geholfen hast zu verarbeiten, zu reflektieren – und zu überwinden. Und – und das darf keinesfalls ausgelassen werden – weil du auch stets mit den passenden Klängen zur Stelle warst, wenn es etwas zu feiern gab. In guten wie in schlechten Zeiten also.

mann_ueber_wort_schwermetall_metal_is_a_friend

Kurzer Einwurf: wie schon erwähnt, bin ich kein „purer“ Metalhead (mehr). Auch andere Spielarten der Rockmusik wecken starke Emotionen in mir – sonst würden sie schließlich an mir abprallen oder an mir vorbeirauschen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Aber hier geht es primär um Metal, und diese Musik sorgt schon länger als jede andere für einen nicht unbeträchtlichen Teil meines persönlichen Wohlbefindens. Das nur mal zwischendurch.

Ich stelle übrigens immer wieder fest, dass „unrockbare“ Menschen enorme Schwierigkeiten haben, nachzuvollziehen, dass Musik, die nicht auf hochglanzpoliertem Tralala basiert oder sich nicht rein auf ihre Tanzbarkeit verlässt, Emotionen wecken kann. Es gibt viele Menschen, denen ich begegne und mit denen ich mich über Musik unterhalte, die unter „durch Musik ausgelöste Emotion“ offenbar ausschliesslich das imaginäre Herumschwirren ebenso imaginärer rosa Herzchen verstehen. Sprich: die nicht nachvollziehen können, dass andere Menschen Musik als Ventil nutzen, teils sogar brauchen, um mit ihrer etwas komplexeren Gefühlswelt besser zurechtzukommen.

Das will ich niemandem zum Vorwurf machen. Ich kann es sogar verstehen, wenn Nicht-Metaller beim Hören der oben genannten Songs mit dem Kopf schütteln und konstatieren, dass das für sie „alles irgendwie gleich aggro“ sei und sie deshalb die Finger davon lassen. Ich ticke aber nun mal nicht so. Meine Wahrnehmung ist da anders gestrickt.

Diese „andere“ Wahrnehmung und das daraus resultierende „andere“ Empfinden von Musik unterscheidet mich vom unrockbaren Teil der Weltbevölkerung. Und anderen Metalheads und Rock-Hörern geht es zweifellos ähnlich – was uns empfänglich für laute, verzerrte Gitarren macht. Ich bin nicht immer dankbar fürs „anders sein“… aber wenn ich mal alles seit dem ersten Konsum einer Iron Maiden-Scheibe so Revue passieren lasse, muss ich sagen: in diesem Fall schon. 🙂

Soviel zur sehr persönlichen, emotionalen Seite. Und was ist mit dem Kopf? Und vielleicht ein wenig Musiktheorie? Siehe nächsten Post („Doch, es ist Kunst.“).

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