Jul 212015
 

mann_ueber_wort_ausgeguckt_icon_300Da mein Selbstversuch in Sachen TV jetzt beschlossene Sache ist (s. unten), geht es nun an die Vorbereitungen.

Das wirklich Tolle im Lebens eines Menschen, der Trash-TV ablehnt, ist ja, dass man trotzdem über den ganzen Mist zumindest ansatzweise im Bilde ist. Gespräche von Kollegen oder bei Aldi an der Kasse, Klatschmeldungen, die man eigentlich überlesen möchte, aber deren erste Worte oder Zeilen man im Vorbeirauschen trotzdem aufsaugt – das unnütze und ungewollte Wissen bahnt sich seinen Weg ins Hirn. Auch ich bin davor nicht gefeit. Ich musste z.B. feststellen, dass ich viel mehr über den „Bachelor“ bzw. die „Bachelorette“ wusste, als mir lieb ist.

Da ich die bisherigen Folgen der aktuellen „Bachelorette“-Staffel aus unerfindlichen Gründen verpasst habe, musste ich trotzdem ein wenig recherchieren.

Ich gestehe: ich habe tatsächlich eine komplette Folge des allerersten Auftauchens des „Bachelor“ auf deutschen Bildschirmen gesehen. Ich wurde nicht gezwungen, aber auch unverschämterweise nicht davon abgehalten. Den seinerzeit getätigten Schwur „Einmal und NIE wieder!“ werde ich also morgen im Dienste der Hobby-Wissenschaft brechen.

Was ich noch grob wusste und was sich offenbar bis heute nicht geändert hat:

Traummann bzw. Traumfrau am Start. Sucht Traumpartner(in). Ohne RTL natürlich eine unlösbare Aufgabe. RTL stellt Traummann/Traumfrau eine ganze Horde Kandidatinnen bzw. Kandidaten zur Auswahl, bei denen natürlich absolut überhaupt kein Typecasting stattgefunden hat.

Die ganze Truppe wird, na klar, in eine Traumvilla verfrachtet. Es wird gequatscht (im Rahmen der individuellen Möglichkeiten), geflirtet (siehe „gequatscht“), es werden Gruppen- und Einzeldates veranstaltet. Alles natürlich traumhafte Aktivitäten in traumhafter Kulisse vor der Linse von traumhaft diskreten Kameraleuten.

Dann gibt’s am Ende einer Folge die „Nacht der Rosen“. Romantik pur. Wer bleiben darf, kriegt vom Objekt der allgemeinen Begierde ’ne Rose, dem Vernehmen nach oft unter vielen völlig echten und aus tiefster Seele kommenden Tränen. Man hat ja so gekämpft für diese wirklich absolut einmalige Chance auf den Traummann/die Traumfrau! Schnüff! Die Ausgesiebten kriegen nix – außer den Koffer vor die Tür gestellt (und vielleicht ein Plätzchen in der RTL-Restverwurstungsmaschinerie). Und so weiter, bis eine bzw. einer übrigbleibt.

Großes Finale. Kitsch, Tränchen, Piano und Geige. Truh loff forewwa! Bis, nach dem Finale, mit schöner Regelmäßigkeit die welterschütternde Pressemeldung erscheint, die uns mitteilt, dass sich das Traumpaar der Nation inzwischen aufgrund „unüberbrückbarer Differenzen“, aber nach einer „intensiven und schönen gemeinsamen Zeit“ (zwei Tage bis drei Wochen) wieder getrennt hat. Hach. Wer hätte das gedacht. Fairerweise muss ich erwähnen, gelesen zu haben, dass die „Bachelorette 2014“ namens Anna und ihr „Traummann Marvin“ tatsächlich „immer noch schwer verliebt“ sind. Okay. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Soweit der Ablauf. Meinen Informationen nach ist die aktuelle Bachelorette die 27-jährige Lehrerin Alisa aus Berlin, der „zum perfekten Glück“ natürlich noch der „Mr. Right“ fehlt. Na, perfekt! Alisa ist überzeugt: „Das sind doch optimale Voraussetzungen: Man trifft 20 tolle Männer, erlebt mit ihnen unglaublich schöne Sachen und es herrscht Urlaubsstimmung – das ist einfach perfekt!“ Ja! Perfekt! Eine gebildete Frau, zudem noch berufen zur intellektuellen Förderung unseres Nachwuchses, muss es schließlich wissen. Und zwar perfekt! Wie stellt sie sich nun ihren Traumpartner vor? „Er sollte humorvoll sein, intelligent, authentisch, ehrlich, offen, treu – eben einfach perfekt!“ Perfekt formuliert!

Bevor mir angesichts von soviel Perfektion aufgrund zahlreich vorhandener, eher weniger perfekter Eigenschaften meinerseits die Schamesröte ins Gesicht steigt, noch ein Blick auf die Kandidaten, oder, wie RTL es formuliert, „die bunte Mischung aus Pädagoge, Nageldesigner und Fitnesstrainer sowie Bademeister, Architekt und Lebenskünstler“. Ich habe schnell herausgefunden, dass der Bademeister schon raus ist, ebenso wie der 20-jährige mit der Dante-Frisur. Und noch ein paar andere, die ich morgen Abend nicht zu sehen bekommen werde. Und der Rest? Die Bildchen aus dem „heißen Foto-Shooting“ machen mir klar: „So sexy sind die 20 Kandidaten!“ Ich bin sprachlos. Kurzzeitig.

Derart vorgebildet bin ich nun guter Dinge, dass sich sowohl mein Männer- als auch mein Frauenbild morgen Abend drastisch verbessern werden und ich einiges nicht mehr so verbissen sehen werde… der Fernsehabend wird einfach so was von perfekt!

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